Herzensangelegenheit Pferd – Was steckt hinter einem Herzgeräusch?

Hanseklinik vor Anbau
Hanseklinik vor Anbau
  • Ein Herzgeräusch sorgt oft für Verunsicherung: Eine genaue Untersuchung ist entscheidend, um Ursache und Bedeutung richtig einschätzen zu können. • Umfassende Diagnostik als Schlüssel: Moderne Untersuchungsmethoden ermöglichen eine präzise Beurteilung der Herzfunktion.
  • Das Interesse an der Herzgesundheit von Pferden wächst deutlich.

    Manchmal fällt es ganz zufällig auf: Bei der Kaufuntersuchung oder dem jährlichen Impftermin stellt der Tierarzt ein Herzgeräusch fest. Für viele Pferdebesitzer ist das zunächst ein Befund, der schnell Sorge auslöst. Bedeutet das, dass mit dem Herzen etwas nicht stimmt – oder das Pferd künftig nicht mehr geritten werden darf? Tatsächlich ist das eher selten der Fall. „Viele Pferde leben mit geringgradigen Befunden völlig beschwerdefrei“, erklärt Dr. Sonja Weiß, Fachtierärztin in der Hanseklinik für Pferde. „Entscheidend ist die Abklärung der Ursache, um eine fundierte Risikoeinschätzung abzugeben.“

  • In den vergangenen Jahren ist das Bewusstsein für die Herzgesundheit bei Pferden deutlich gewachsen – auch, weil moderne Diagnostik heute präzisere Einblicke in die Funktion des Herz-Kreislauf-Systems erlaubt. Herzerkrankungen können sich in Leistungsinsuffizienz äußern und die Leistungsfähigkeit eines Pferdes spürbar beeinträchtigen. Typische Anzeichen sind nachlassende Kondition, schnelle Ermüdung, plötzliche Leistungseinbrüche oder ein unregelmäßiger Puls. Manche Pferde wirken träge, husten bei Belastung oder zeigen eine verlängerte Erholungszeit nach dem Training.

  • Am häufigsten treten beim Pferd Klappenundichtigkeiten oder Herzrhythmusstörungen wie Vorhofflimmern auf. Sie entstehen meist durch alters- oder trainingsbedingte Veränderungen und verlaufen in vielen Fällen mild oder werden nur zufällig entdeckt. Bei Vollblütern und Trabern sind Rhythmusstörungen etwas häufiger zu beobachten, da ihr Herz-Kreislauf-System durch intensive Belastung stärker beansprucht wird. Auch Hochleistungspferde zeigen häufiger trainingsassoziierte Anpassungen des Herzmuskels, die in Einzelfällen funktionelle Veränderungen nach sich ziehen können.

  • „Pferde können Herzerkrankungen lange kompensieren. Daher lohnt sich eine Untersuchung bereits dann, wenn noch keine klinischen Symptome vorliegen“, so Dr. Weiß. Auch kleine Veränderungen von Atmung, Puls oder Leistungsbereitschaft können frühe Hinweise liefern. Bei fortgeschrittener Herzschwäche treten häufig Wasseransammlungen im Unterbauch oder an der Brust auf, in seltenen Fällen auch Gewichtsverlust oder auffällige Pulswellen an der Drosselvene. Solche deutlichen Anzeichen sollten unbedingt tierärztlich abgeklärt werden.

Moderne Diagnostik für präzise Ergebnisse


Zur Untersuchung des Herz-Kreislauf-Systems stehen in der Hanseklinik für Pferde verschiedene moderne Verfahren zur Verfügung. Nach der klinischen Untersuchung – mit Kontrolle von Puls, Schleimhäuten, Durchblutung sowie Herz- und Lungengeräuschen – folgen weitergehende kardiologische Untersuchungsverfahren. Dazu zählen Herzultraschall (Echokardiografie) zur strukturellen und funktionellen Beurteilung des Herzens, Belastungs und Langzeit-EKGs zur Erfassung von Herzfrequenz und Rhythmusstörungen sowie bei Bedarf Blutuntersuchungen zur Beurteilung von Herzmarkern, Elektrolythaushalt und Stoffwechselparametern. Diese Kombination ermöglicht eine sichere Einschätzung, ob und in welchem Umfang ein Herzproblem besteht und wie sich das Pferd künftig belasten lässt.


Therapie und Prognose

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Bei Vorhofflimmern kann eine elektrische oder medikamentöse Kardioversion eingesetzt werden, bei Klappeninsuffizienzen kommen – je nach Schweregrad – herzwirksame Medikamente zum Einsatz. In vielen Fällen lassen sich die Befunde stabil halten, auch wenn eine vollständige Heilung nicht immer möglich ist.


„Nicht jedes Pferd mit Herzgeräusch muss geschont werden“, erklärt Dr. Weiß. „Entscheidend ist die individuelle Beurteilung durch den Tierarzt oder die Tierärztin. Leichte Veränderungen erlauben oft weiterhin ein angepasstes Training oder den Einsatz im Freizeitbereich.“ Regelmäßige Nachuntersuchungen helfen, Veränderungen früh zu erkennen und das Trainingsniveau rechtzeitig anzupassen.


Verantwortung und Prävention


Ein ausgewogenes Trainingsmanagement, ausreichende Regenerationsphasen, eine pferdegerechte Haltung und gute Fütterung sind die beste Grundlage für ein gesundes Herz. Zudem empfiehlt die Hanseklinik, das Herz regelmäßig im Rahmen von Routinekontrollen oder Impfprophylaxen abzuhören – unabhängig davon, ob das Pferd aktiv im Sport eingesetzt wird oder nicht.


Wer Veränderungen früh wahrnimmt und abklären lässt, schützt die Herzgesundheit seines Pferdes – und damit auch dessen Leistungsfähigkeit und Lebensfreude.
Wenn Sie weitere Fragen zum Thema Herzgesundheit haben, wenden Sie sich gern an uns. Wir vermitteln Ihnen Interviews mit Spezialist:innen der Hanseklinik für Pferde.

Schon gewusst? Faktencheck zum Herz

  • Gewicht: 0,7–1,7 % der Körpermasse, bei einem Warmblüter also etwa 5 bis 6 kg • Größe: etwa 25–30 cm lang und 18–20 cm breit
  • Lage: im Brustkorb zwischen der dritten und sechsten Rippe, leicht nach links geneigt • Ruhepuls: durchschnittlich 28–44 Schläge pro Minute
  • Belastungspuls: bei Spitzenleistung bis zu 220–240 Schläge pro Minute • Schlagvolumen: pro Herzschlag etwa 900–1200 ml Blut
  • Blutmenge im Körper: ca. 8–10 % des Körpergewichts (bei einem 600-kg-Pferd also rund 50 Liter Blut)
  • Kreislaufzeit: Einmaliger Blutumlauf durch den gesamten Körper dauert 20– 25 Sekunden
    Weitere Informationen zu dem Behandlungsspektrum finden Sie auf der Website der Hanseklinik für Pferde.

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