Den Springreiter-Weltcup in London hat ein Österreicher gewonnen: Max Kühner und das irische Sportpferd EIV Cooley Jump the Q setzten sich im Stechen der mit 180.000 Euro dotierten Weltcup-Prüfung an der Spitze durch. Knappe vier Stunden später jubelte ein Niederländer in London: Ijsbrand Chardon, mehrmaliger Weltmeister, holte sich den Triumpf im Vierspänner-Weltcup.

Es ist schon ein klein wenig her, dass ein Chardon in einer Weltcup-Qualifikation an der Spitze stand und für den 64-jährigen Ijsbrand Chardon mag das ein zusätzlicher Push gewesen sein. Der “Temperamentsbolzen” des internationalen Fahrsports präsentierte sich in allerfeinster Form am Sonntag und freute sich überschwänglich nach dem Sieg. “Wenn man hier fährt, ist man nicht 64 – dann fühlt man sich wie 24. Das Publikum ist großartig und ich glaube wir hatten phantastischen Sport.” Dem Parcourschef Michael Mayer (SUI) sprach Chardon seinen Dank aus.
Dem Weltcup tut so ein Ergebnis gut – Boyd Exell (AUS) hat die Serie bislang dominiert, gewann in London erst das Extreme Driving und dann auch die erste Weltcup-Prüfung. Exell ist – auch in der grünen Saison – der Mann an dem sich alle messen lassen müssen. Mit Wildcard ausgestattet ging es für die Seriensieger ohnehin nicht um Punkte, aber doch darum “meinem Heim-Publikum eine richtig gute Show zu bieten”. Das gelang dem “Aussie”, der etliche Jahre in England gelebt hat, mit der absolut schnellsten Runde in 133,07 Sekunden im Umlauf am Sonntag. Acht Fehlerpunkte, mithin also Strafsekunden, beförderten Mr. Weltcup allerdings auf den vierten Platz hinter dem Sieger, dem zweitplatzierten Belgier Dries Degrieck und Europameister Bram Chardon. Deutschlands Anna Mareike Meier fuhr auf Platz fünf in London. Zwei Etappen stehen im Vierspänner-Weltcup noch an: Mechelen und Leipzig, dann folgt im Februar das Finale in Bordeaux.

Et tu Felix Austria?
Max Kühner ist der erfolgreichste Springreiter Österreichs. Der in Deutschland geborene, in München aufgewachsene und am Starnberger See beheimatete Kühner bescherte dem Londoner Publikum eine Siegerehrung mit Österreichs Nationalhymne. “London ist schon speziell und das liegt ganz wesentlich am Publikum. Wir Reiter merken das und es ist ein schönes Gefühl, dafür möchte ich allen danken.”, ließ der 51-jährige in der Siegerehrung wissen. Dort tauchte als Gratulantin eine Frau auf, die nur noch selten in der Öffentlichkeit zu sehen ist: Die ehemalige FEI-Präsidentin Prinzessin Haya von Jordanien, die 2019 mit ihren Kindern nach England floh – raus aus der Ehe mit Sheik Mohammed bin Rashid Al Maktoum, der mit Familienmitgliedern keineswegs zimperlich umgeht. Begleitet wurde die einstige FEI-Präsidentin von ihrer Tochter Sheika Al Jalila.
Eher “durchwachsen” endete die Weltcup-Prüfung in London für die deutschen Protagonisten. Marcus Ehning und Priam du Roset verpassten das Stechen (16.) ebenso wie Daniel Deusser, Jens Wawrauschek und Marie Ligges. Am Montag steht in London noch einiges an, u.a. der Große Preis. Erst danach geht es in die Weihnachtspause – für viele endet die allerdings sachon am 26. Dezember, dann beginnt nämlich das Weltcupturnier im belgischen Mechelen.

Chacco-Blue-Nachkomme Explosion W offiziell verabschiedet
Er ist der wohl berühmteste Nachkomme seines unvergessenen Vaters Chacco-Blue: Explosion W, Olympiasieger, Vize-Europameister und zweimaliger Sieger der Global Champions Tour. Allein 16 Große Preise hat Explosion W mit Ben Maher gewonnen, darunter auch den in Aachen. Für Maher ist er “mein Lebenspferd” und mit nun 16 Jahren wurde der 2009 geborene Wallach von Chacco-Blue aus der Uarina von Baloubet du Rouet in London ganz offiziell aus der Sportlaufbahn verabschiedet. Die lange Karriere endete bereits im Großen Preis von La Baule 2023, wo sich der Wallach eine Verletzung zuzog, die eine Rückkehr in den Sport unwahrscheinlich machte.
Nun hat sich der Dunkelfuchs verabschiedet, begleitet von Mahers Dankesrede, seinem Pfleger Cormac Kenny, den Besitzerinnen und mit dem weihnachtlichen Schmuck um den Hals, der keineswegs untypisch für Londons berühmtes Hallenturnier ist. Vater des Springpferdes ist der Mecklenburger Hengst Chacco-Blue, lange Zeit Nr. 1 der Weltrangliste der Vererber und ein Musterbeispiel für kluge Anpaarung. Jetzt darf der Wallach seinen Rentenstand genießen, mit Rundum-Versorgung, Paddock und Full-Service – einfach allem, was er verdient.
