London Horse Show – Glamour(dale) in der Exel-Arena und Charlotte Dujardin ist zurück

Charlotte „Lottie“ Fry hat mit ihrem 14 Jahre alten KWPN Hengst Glamourdale den Weltcup-Grand Prix in der Londoner Exel-Arena gewonnen, die Schlagzeilen allerdings galten einer anderen Reiterin. Nach einem Jahr Sperre, und drei Starts bei kleineren internationalen Turnieren ist Charlotte Dujardin wieder zurück im Weltcup-Zirkus. Mit Alive and Kicking, der sympathischen westfälischen Rappstute wurde die Britin Zweite in London. „Nach Peitschenskandal…“ titelten Sport1, Der Tagesspiegel und Eurosport. Den Bei-Namen Skandalreiterin hat die Britin nach dem kurz vor den Olympischen Spielen in Paris aufgetauchten Video unfreiwillig abonniert.

Glamourdale und Charlotte Fry auf der Ehrenrunde. (Foto: Peter Nixon)

Warum das so ist? Es hat etwas weniger mit den 24 Peitschenschlägen (vom Boden aus) gegen das Pferd zu tun – auch wenn die Tierschutzbewegten das nicht gern lesen – oder damit, dass völlig unklar ist, welchen auch nur abenteuerlichen Nutzen die Hauerei je gehabt sollte. Es hat damit zu tun, dass bei der Deutschen Presse-Agentur (dpa) jemand klug genug war, den möglichen Abdruck der Meldung über Platz zwei für Charlotte Dujardin richtig zu kalkulieren: wird genommen. Die Online-Portale größerer Medien griffen die bereit gestellte Meldung gern auf, weil man auch dort weiß, das Keywords, also Schlüsselbegriffe (oder Trigger oder Reizworte) Leseinnen anlocken. Und all das ist so, weil der Mensch so ist wie er eben ist.

Ob das Lottie Fry gefällt, weiß man nicht. Andererseits hatte die selbst schon reichlich Kritik einstecken müssen. Fry, die wie Dujardin mehrere Jahre mit der britischen Dressur-Ikone Carl Hester trainiert hat und längst in den Niederlanden bei Anne van Olst zuhause ist, pilotierte den großen, lackschwaren Glamourdale zu 80,783 Prozent. Peter Storr (GBR), Marietta Almassy (FRA), Elke Ebert (GER), Susanne Baarup (DEN) und Clive Halsall (GBR) sahen die Britin ganz einig auf Rang eins. Glamourdale galoppiert gewissermaßen für zwei. Es sieht immer ein bißchen so aus, als wolle er etwas niederreißen, so üppig beschaffen ist die Galoppade. Mit 76,544 Prozent folgte ihre Landsfrau Dujardin auf Rang zwei. Das ist ein deutlicher Abstand, die Westfalenstute ist drei Jahre jünger und hat andere Qualitäten, als der Hengst.

Moritz Treffinger (Werder), einziger deutscher Starter im Weltcup in London kam mit Cadeau Noir – übrigens auch ein Rappe wie Glamourdale und Alibve and Kicking – nicht über Platz sieben hinaus. 70,348 Prozent – das sind Welten zu über 80 Prozent. Treffinger ist allerdings auch weitaus unbekannter als die Britinen auf den ersten drei Plätzen. Becky Moody und ihr Jagerbomb, im August 2024 bei Olympia für Dujardin ins britische Team nachgerückt, belegten Platz drei. Ein fast deutsches Paar kam auf den vierten Rang: Total Hope OLD und Isabel Freese. Die Norwegerin mit deutschem Wohnsitz und Arbeitsplatz und ihr einstiger Nürnberger Burg-Pokal-Sieger eroberten bereits im Dezember 2024 Londons Weltcup, nachdem beide bei den Olympischen Spielen überaus achtbare Erfolge erzielten. Insgesamt 15 Paare traten im Grand Prix am Donnerstag an. Und am Freitag geht es bereits um die Weltcup-Kür.

Erstes großes Springen in London gewonnen – Viktor Bettendorf mit Encore Toi du Linon. (Foto: Peter Nixon)

Als die Dressurpferde schon längst wieder in ihren Boxen waren, gewann der Luxemburger Viktor Bettendorf das erste große klassische Springen in der Exel International Arena. Die übrigens für einen Donnerstag schon brechend voll war. Mit der elf Jahre alten Encore Toi du Linon gewann der Springreiter mit knapp zwei Sekunden Vorsprung vor dem Belgier Jos Verlooy mit Paris van den Dael. Die deutschen Gäste ließen es etwas verhaltener angehen im Chamagne Taittinger Speed Stakes: Jens Wawrauschek mit Quirano wurde 18., direkt dahinter folgte Marcus Ehning mit Askala NRW. Beide hatten jweils einen Fehler. Daniel Deußer war mit Kaduna JL Z 21..

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