
Was ein Geländetag in Lähden! Bei den Europameisterschaften der Vierspänner in Lähden zeigte Hausherr Christoph Sandmann in den acht Hindernissen der internationalen Konkurrenz wie es geht. Stress von den Vorbereitungen als Gastgeber war ihm nicht anzumerken, hochkonzentriert sauste er durch die acht Hindernisse, die es durchaus „in sich“ hatten. Platz zwei in der Geländeprüfung – nur der für Österreich startende Daniel Schneiders war noch schneller – und Führung in der Kombinierten Wertung! Und Tochter Anna, ebenfalls stark eingespannt im Veranstalterteam, stand ihm in nichts nach. Platz sechs im Gelände und Platz zwei hinter ihrem Vater in der Kombinierten Wertung – Familie Sandmann nimmt Kurs auf die Medaillen!
Mit 162,60 Punkten führt Christoph Sandmann nun die Kombinierte Wertung an. Tochter Anna liegt mit 170,25 Punkten dahinter. Familie Sandmann wird von Familie Chardon aus den Niederlanden verfolgt, denn auf den Plätzen drei und vier folgen der amtierende Europameister Bram Chardon mit 170,87 Punkten und sein Vater Isbrand Chardon mit 172,74 Punkten. Für das abschließende Kegelfahren bedeutet das, dass das nicht mal ein Ball Unterschied ist zwischen Platz zwei und vier und sich bei der Medaillenvergabe noch einiges ändern kann. „Ich bin kaputt, es hat heute alles geklappt, und das in meinem hohen Alter!“, lachte der 58-jährige zehn-malige Deutsche Meister. Anna Sandmann rang im Ziel nicht nur nach Luft, sondern auch kurz nach Worten: „Einfach sensationell, wie das gelaufen ist, das hätte ich nicht gedacht. Ich bin überglücklich.“
Die Siegerin der Dressurprüfung, Anna Mareike Meier aus Negernbötel in Schleswig-Holstein, fuhr nicht ganz so schnelle, aber saubere und fehlerfreie Runden, im anspruchsvollen Lähdener Gelände. „Ich bin zufrieden, es war gut, ich weiß aber gar nicht, wo die anderen immer die Zeiten herholen“, lachte sie im Ziel. Am Ende wurde es Platz 19 im Gelände, in der Kombinierten Wertung ist sie nun auf Rang sieben (174,60). Sie fährt gemeinsam mit Anna Sandmann und Michael Brauchle für die deutsche Mannschaft.
Der dritte deutsche Teamfahrer Michael Brauchle, Marathon-Spezialist aus Baden-Württemberg, der schon mehrfach das Gelände in Aachen gewinnen konnte, hatte nicht den besten Tag erwischt. Dabei hatte er eigentlich beste Voraussetzungen geschaffen, mit dem kleinen, wendigen Balu vorne einen echten Geländespezialisten eingespannt. Das erklärte Ziel war der Sieg im Marathon, der Traum bekam schon den ersten Dämpfer in Hindernis eins, in dem ein Ball fiel – zwei Strafpunkte extra. Insgesamt lief es einfach nicht rund. „Ich hatte Probleme mit der Lenkung, die war heute ganz und gar nicht gut“, sagte Brauchle im Ziel. Für den Europameisters von 2015 wurde es Platz 25 im Gelände. Nach einer starken Dressurleistung am Vortag rutschte er von Platz acht auf Platz 15 in der Kombinierten Wertung ab (185,21).
Mannschaftswertung: Niederlande vor Deutschland vor Belgien
Für die deutsche Mannschaft, die nach starken Dressurauftritten in Führung gegangen war, bedeutete das, dass das niederländische Team an ihnen vorbeiziehen konnte. Mit 341,72 Punkten liegen die Niederländer nun vor Team Deutschland mit 344,85 Punkten. Dahinter folgt das belgische Team mit 347,58 Punkten. Die Mannschaften auf den Mediallenrängen sind vor dem Kegelfahren somit alle nur einen Ball voneinander entfernt.
Als Einzelfahrer am Start sind außerdem Georg von Stein (Modautal), der nach Dressur (Platz sieben) und Gelände (Platz 20) auf Platz zwölf der Kombinierten Wertung liegt. Für Rene Poensgen aus Eschweiler lief es im Gelände eigentlich gut. Dann verlor er im letzten Hindernis einen Beifahrer. Der blieb zum Glück unverletzt, aber das gab sieben Strafpunkte, so dass er am Ende 21. in der Geländeprüfung wurde, sonst wäre es Platz zwölf geworden. Die beiden WM-Neulinge Sven Kneifel (Wunstorf) und Mario Schildt (Behren-Lübchin) beendeten das Gelände auf den Plätzen 24 und 27. Rainer Duen (Brunsbüttel) landete auf Platz 34.
Nationenpreis der Einspänner: Deutschland auf Goldkurs
In Lähden starten nicht nur die Para-Fahrer und die Vierspänner, auch die Einspänner haben einen Nationenpreis dort. Hier hat die deutsche Mannschaft mit Claudia Lauterbach (Dillenburg) mit Verano, Lars Krüger (Grumbach) mit Janina und Anne Unzeitig (Greifenstein) mit De Niro nach der Dressur die Führung übernommen und auch nach der Geländeprüfung nicht abgegeben. Mit 304,71 Punkten liegt das deutsche Team vor dem abschließenden Kegelfahren nun vor dem Teams aus den Niederlanden mit 316,84 und Luxemburg mit 319,61 Punkten.
Die schnellsten Runden im Gelände zeigte Anne Unzeitig mit ihrem De Niro. Die dreimalige Deutsche Meisterin der Einspänner und Team-Silbergewinnerin der WM 2024 liegt nach ihrem Sieg im Gelände nun auf Platz zwei der Kombinierten Wertung. „Das Gelände war sehr anspruchsvoll, sehr technisch und schon eine große Aufgabe, die wir aber ganz gut gemeistert haben“, so ihr bescheidenes Fazit. In der Kombinierte Wertung führt die US-Amerikanerin Kelly Bruder vor Anne Unzeitig. Nach Platz 11 im Gelände liegt Lars Krüger aus Drebkau mit Janina auf Rang sechs, Einzelfahrer Christian Prinz mit Rocky Lee P auf Rang sieben – nach Platz sechs im Gelände. Martin Stötzer mit Elsas platzierte sich im Gelände auf Rang zwölf und ist nun neunter in der Zwischenwertung. Teamfahrerin Claudia Lauterbach, die am Vortag mit Platz drei ein Top-Dressurergebnis für die Mannschaft geliefert hatte, wurde 16. Im Gelände (Platz elf in der Zwischenwertung). Für Christoph Dieker und seine Stute Siebensteine wurde es Platz 15 im Gelände wie auch in der Kombinierten Wertung.
Für die Einspänner, Vierspänner und Para-Fahrer steht morgen das Kegelfahren auf dem Programm. fn-press/evb
Alle Infos zur EM und WM in Lähden unter www.pferd-aktuell.de/em2025/fahren-in-laehden, alle Ergebnisse gibt es hier.
