(Crozet) Das Isabell Werth eine Medaille bei einem internationalen Championat gewinnt ist so selten nicht, aber jede Medaille muss erstmal erarbeitet werden. Bronze haben die Rekord-Olympiasiegerin und Wendy de Fontaine bei den Europameisterschaften Dressur im Grand Prix Special gewonnen. Der eigentliche Höhenflug kam jedoch durch Mannschafts-Kollegin Katharina Hemmer – mit Denoix PCH piaffierte der Championatsneunling mit dem Oldenburger auf den vierten Rang. Chapeau!

© www.sportfotos-lafrentz.de/Stefan Lafrentz
Einzel-Gold ging an den Belgier Justin Verboomen und seinen Hannoveraner Hengst Zonik Plus, die bereits beim CHIO Aachen Begeisterungsstürme entfachen. Mit 82, 553 Prozent gewann das Paar erstmals den EM-Titel. Damit hat Verboomen Geschichte geschrieben, denn noch nie zuvor hatten belgische Dressurreiter/innen eine Medaille bei einem internationalen Championat gewonnen. Silber sicherte sich Dänemarks Catherine Laudrup-Dufour mit der Hannoveraner Stute Mount St. John Freestyle (82,660 Prozent). Schon bei den Olympischen Spielen in Paris 2024 hatte das Paar Top-Leistungen abgeliefert.

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„Ich bin echt zufrieden. Auch wenn man mir vielleicht nicht glauben mag, dass ich auch mal mit einem dritten Platz zufrieden bin statt mit dem ersten. Ich weiß genau, wo wir stehen. Wir brauchen noch ein wenig mehr Kraft und Erfahrung“, sagte Isabell Werth nach dem GPS. Aufgrund einer kleinen Verletzung musste die neunjähriige Stute im Frühjahr pausieren, sodass es erst Anfang Juni in Balve mit den Deutschen Meisterschaften für sie wieder losging. Für die Kür rechnet sich die Rekord-Olympiasiegerin aber dennoch gute Chancen aus: „In der Kür werde ich nochmal angreifen. Die Kür ist was anderes. Sie ist voll auf Wendy zugeschnitten.“
Die 31-jährige Katharina Hemmer, Schülerin von Reitmeister Hubertus Schmidt, der erkennbar stolz auf das Paar war, hatte bereits im Grand Prix mit dem Oldenburger Fuchswallach Denoix PCH eine souveräne Leistung abgeliefert, die bekanntlich zum Mannschafts-Gold in Crozet beitrug. Im Grand Prix Special steigerten “Katha” und Denoix PCH sich weiter und scorten 78,678 Prozent. Eine Vorstellung, die der Bundestrainerin Monica Thedorescu die Tränen in die Augen trieb. „Die legt immer noch einen drauf, die fühlt das, hat Mut und Selbstbewußtsein. Sie überdreht nicht. Und diese Lockerheit,“ fasste sie ihre Begeisterung in Worte.
Frederic Wandres und Bluetooth OLD – die beide zum Gold-Equipe bei den Olympischen Spielen in Paris zählten – waren das drittbeste deutsche Paar auf Rang sieben. „Ich bin sehr happy. Natürlich geht es auch um ein gutes Ergebnis, aber zuerst einmal muss ich mit mir und dem Pferd zufrieden sein. Und das bin ich,“ so Wandres. Zweimal in der Top-Ten und der Einzug in die Kür lassen den Chefbereiter des Stall Kasselmann positiv auf den Sonntag schauen.
Nicht in der Kür dabei am Sonntag sind Ingrid Klimke und ihr riesiger Veyron NRW. “Unterm Strich” war die Reitmeisterin zufrieden, weil Veyron – anders als im Grand Prix – keine “Gspenster” im Prüfungsviereck sah. Unglücklicherweise verritr sich Klimke einmal und einige Fehler schlichen sich ebenfalls ein. „Ich bin so glücklich darüber, dass Vayron heute immer bei mir war, er hat zugehört, er hat seine Stärken voll ausgespielt. Ich konnte aber auch jede Lektion so gut vorbereiten, er hat sich so angestrengt und hat heute für mich alles gegeben. Ich war richtig gerührt und deswegen überwiegt jetzt grade ehrlich gesagt das Glücksgefühl und die Dankbarkeit, dass Vayron heute am zweiten Tag einfach so toll mitgemacht hat. Das dusselige Verreiten kann ich ja abstellen,” so Klimke.
