“Gerade heraus” ist verstummt – Kalle lebt nicht mehr

“Presse- und Fotoservice Frieler..” So hat er sich anfangs am Telefon gemeldet. “Wat is? Ich arbeite…” konnte es auch schon mal sein. Karl-Heinz Frieler ist verstummt – am 19. August verstarb der Meisterfotograf  im Alter von gerade mal 71 Jahren nach kurzer, schwerer Krankheit. Das Arbeitstier mit den scharfen Augen, der Ruhrpott-Schnauze und dem riesengroßen Herzen. 

Kalle – Karl-Heinz Frieler. (Foto: Stefan Lafrentz)

“Kalle” war vieles – vor allem aber einer, der seiner Arbeit mit unglaublichem Pflichtbewusstsein und Sorgfalt nachging und nur selten “die Klappe hielt”, wenn ihm etwas gegen den Strich ging – egal was, ohne falschen Respekt vor Namen oder Titeln. Jederzeit bereit, einen veritablen Streit auszutragen, mit wem auch immer. So habe ich ihn vor zig Jahren kennen gelernt –  am Telefon – wegen einer Akkreditierung und weil er sich bitterlich beschwert hatte. Wir haben uns gegenseitig unverblümt die Meinung gesagt. 

Am schwersten fällt es, zu akzeptieren, dass dieser Mensch, der manchmal so bärbeißig rüberkam und gleichzeitig so unglaublich hilfsbereit und witzig war, nach einem so langen, arbeitsintersiven Leben nicht noch viel mehr Jahre mit Ehefrau Monika und dem Hund in Gelsenkirchen genießen durfte, einfach ein schönes Leben leben. Seiner Frau und den Hunden galt seine ganz Liebe und Fürsorge. Schon Jahre bevor er in den Ruhestand ging, hat er genau geplant wie das alles sein könnte. Auch ohne irgendwelche Pferde und Reiter/innen zu fotografieren – mit wenigen Ausnahmen. Eine intensive Freundschaft verband ihn mit der Familie Ehning – unkompliziert, gerade heraus und ohne viel SchnickSchnack – eher so westfälisch. Kalles Arbeit war geprägt von außerordentlich gutem Handwerk, dem Blick für den genau richtigen Moment und einem hohen Maß an Selbstkritik. Bilder, die ihm nicht gut genug erschienen, wurden konsequent aussortiert und die Maßstäbe für ein gutes Bild waren meterhoch aufgehängt. So hat er das auch an viele “Schützlinge” weiter gegeben. Seine Liebe zu Pferden, Hunden, zu Tieren generell war riesig.

„Freddie“ – der Hannoveraner Hengst For Pleasure. Ein Frieler-Foto, dass alles hat, was ein exzellentes Foto braucht…

Im Jahr 2003 hat er den renommierte Medienpreis “Silberne Kamera” in Aachen gewonnen. “Freudentränen” war der Name des Bildes, dass bei den Deutschen Meisterschaften der Para-Dressur in Lingen entstanden war und beredt Auskunft darüber gibt, wie gut dieser Fotograf den genau richtigen Moment erahnen konnte. Es hat damals einiger Überzeugungskraft bedurft, ihn dazu zu bewegen, zur Ehrung zu erscheinen, denn selbst stand Kalle überhaupt nicht gern im Mittelpunkt und schon mal gar nicht in Anzug und Schlips. Die Verleihung des Deutschen Reiterkreuzes in Bronze durch FN-Präsident Breido Graf zu Rantzau beim “Turnier der Sieger” in Münster 2017 glückte unter größtmöglicher Geheimniskrämerei und den fadenscheinigsten Ausreden für Kalles Anwesenheit im Parcours. 

Arbeitsam, grundsätzlich der Erste in einer Pressestelle und oft auch der Letzte, pflichtbewußt und diszipliniert, meinungsstark, klug und mit einem schier unerschöpflichen Humor ausgestattet – so war Kalle Frieler. Wen er nicht mochte – der hat das durchaus gespürt. Wen er mochte – hat das auch gespürt und einen ungewöhnlichen, geradlinigen und fürsorgliche Menschen kennen gelernt – Ratgeber, Freund, Kollege. Nun ist er verstummt für immer. Adieu Kalle.

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Nach oben scrollen
Consent Management Platform von Real Cookie Banner