Am 25. Juli um 14 Uhr trudelte die Mitteilung aus dem Regierungsportal MV ein: Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus kündigte in einer Presseinformation (s.u.) an, dass ein alternatives Betreibermodell für das über 200 Jahre alte Landgestüt Redefin geprüft werden soll. Das Kabinett habe diesem Vorschlag des Landwirtschaftsministers zugestimmt. Das Redefins Gestüt wirtschaftlich eine „Baustelle“ im Landeshaushalt ist, kann nicht überraschen. Kein deutsche Landgestüt kommt ohne öffentliche Mittel aus. Die Frage ist stets, in welchem Umfang Zuschussbedarf anfällt, ob es temporär oder eine Dauerzustand ist und in welchem Zustand der Landeshaushalt generell ist. Im Fall des mecklenburgischen Landgestüts wird der Begriff Privatisierung sorgfältig vermieden…

Landgestüt Redefin: Land strebt alternatives Betreibermodell an
Das Kabinett Mecklenburg-Vorpommerns hat dem Vorschlag des Landwirtschaftsministeriums zugestimmt, für das Landgestüt Redefin ein alternatives Betreibermodell zu prüfen. Das Land wird Eigentümer des kulturhistorischen Ensembles bleiben. Ziel ist es, das Gestüt wirtschaftlich stabil aufzustellen und zugleich als Kulturgut von öffentlichem Interesse zu erhalten. Minister Dr. Till Backhaus hat die Pläne heute im Rahmen einer Personalversammlung vor Ort in Redefin vorgestellt.
„Der Schritt hin zu einem anderen Betreibermodell ist notwendig. Eine Bewertung der wirtschaftlichen Entwicklung sowie der bestehenden Strukturen und Prozesse hat gezeigt, dass tragfähige Lösungen erforderlich sind, um die Potenziale des Standortes dauerhaft zu sichern“, sagte Agrar- und Umweltminister Dr. Till Backhaus. Der jährliche Zuschussbedarf für das Landgestüt Redefin liegt derzeit bei rund 1,7 Millionen Euro – „das entspricht etwa einem Euro pro Einwohner hier im Land, was ich für ein Kulturdenkmal dieses Formates grundsätzlich gerechtfertigt finde“, sagte Backhaus und verwies auf andere bedeutsame Kulturstandorte, wie das Schweriner Schloss, die ebenfalls mit öffentlichen Mitteln erhalten werden.
„Kulturstandorte sind immer ein Zuschussgeschäft. Die Frage ist daher nicht, ob Kulturstandorte Geld kosten – sondern ob wir bereit sind, diese Kosten auch in Zukunft zu tragen und verantwortungsvoll zu gestalten. Bisher hat die Landesregierung auch über Parteigrenzen hinweg zu Redefin gestanden. Fakt ist aber auch, dass sich das Land in einer angespannten haushälterischen Lage befindet, die alle Ressorts zwingt, nachhaltige Einsparpotenziale zu erschließen“, sagte er weiter.
Das Ministerium hat daher ein Interessenbekundungsverfahren vorbereitet, um geeignete Betreiber zu finden, die den Übergang in eine neue Trägerschaft ermöglichen, ohne den Charakter Redefins als Ort des Pferdesports, der Pferdezucht, der Ausbildung und der Kultur aufs Spiel zu setzen. Dafür soll ein neuer Betreiber vertraglich zur Erfüllung öffentlicher Ziele verpflichtet werden.
Ein ausdrückliches Ziel ist es, die touristische Entwicklung des Standortes zu stärken und das Ensemble künftig noch stärker für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Redefin soll als lebendiger Ort der Begegnung, des Kulturerlebens und der regionalen Identität weiterentwickelt werden. Zu den weiteren Bedingungen zählt außerdem die sozialverträgliche Übernahme des Personals.
Das Interessenbekundungsverfahren soll noch in diesem Jahr abgeschlossen werden. Das Ministerium sichert der Belegschaft dabei größtmögliche Transparenz zu: „Wir werden diesen Prozess verantwortungsvoll begleiten – mit Blick auf die Beschäftigten, die Region und die besondere Bedeutung, die Redefin für unser Land hat. Mein Haus wird sich als Partner der Mitarbeitenden verstehen – das ist für mich selbstverständlich“, erklärte Minister Backhaus abschließend. (Pressemitteilung)

Quo vadis Landgestüt?
Idyllisch liegt es, sorgfältig restauriert ist es und verfügt praktisch über alles, was moderne und pferdegerechte Haltungsform ermöglicht. Und ausgerechnet nach aufwändigen Sanierungen, die die ehemalige Gestütsleiterin Antje Kerber hauptsächlich an den Schreibtisch fesselten und endlos in „Papierkram“ verstrickten, verkündet der dienstälteste Landwirtschaftsminister Deutschlands, Dr. Till Backhaus, einen Umdenkungsprozess. Zudem ist das Landgestüt aktuell in gewisser Weise „führungslos“. Die kommissarische Leiterin Kristin Romanowski ist erkrankt, das Verfahren für die Neubesetzung der Leitungsstelle stockt – ein/e Bewerber/in hat geklagt (sogenannte Konkurrentenklage) – aktuell gehe es um eine Berufung beim Landesarbeitsgericht. In der Pferdeszene wird dazu genau ein Name genannt, einer der „verbrannt“ ist. Aber – nix Genaues weiß man nicht.
Versuche, den Betrieb des Landgestüts Redefin zu beleben, neu auszurichten, sind z.T. gescheitert. Das hat möglicherweise auch viel mit Personalentscheidungen und Befindlichkeiten zu tun. Sicher ist, dass ein Landgestüt nicht mehr wie vor 50 Jahren gemanagt werden kann. Es hat aber zweifellos auch mit Standortfaktoren und Marketing zu tun. Das Land soll laut Backhaus Eigentümer des Ensembles bleiben und möchte den Charakter als Ort der Pferdezucht, Pferdesport, Ausbildung und Kultur erhalten wissen. Das klingt für potentielle Interessenten – mit Verlaub – nach „Rosinen picken“. Die touristische Nutzung und damit verbundene weitergehende Öffnung des Landgestüts wurde als klares Ziel benannt. Ohne Standortfaktoren ringsherum wird das nicht einfach – schon seit Jahren sind Übernachtungs- und Einkaufsmöglichkeiten in der Nähe des Landgestüts Mangelware. Ebenso ist die „sozialverträgliche Übernahme des Personals“ u.U. ein Hemmschuh für potentielle Betreiber. Wirtschaftlich interessante Perspektiven für andere Träger hängen immer auch von den Menschen ab, die an der Umsetzung mitmirken sollen….
