Gestatten? Hochkönig ist sein Name, Hochkönig von Polish Vulcano (Gestüt Idee, Hamburg) aus der Halinara von Kallisto. Auf dem Bild hier aus dem Jahr 2022 ist er ein paar Tage alt, seit dem 6. Juli 2025 ist er ein Held – der Sieger des IDEE 156. Deutschen Derbys 2025 in Hamburg-Horn. Ein Umstand, der viele Menschen gepackt und durchgeschüttelt hat. Z. B. den Fotografen dieses und anderer Bilder, denn Marc Rühl und seine Frau Gabi sind die Züchter von Derbysieger Hochkönig. Am 3. Juni – beim kurzen Austausch via e-mail für die Presse-Akkreditierung – schreibt der Chef eines fünfköpfigen Foto-Teams folgenden Satz: “Wenn alles glatt geht, sind wir als Züchter von Hochkönig in diesem Jahr nicht ganz zurechnungsfähig ;-)”

Das stimmt. Die Menschen rund um die vierbeinigen Derby-Kandidaten sind vor dem bedeutendsten Galopp-Rennen in Deutschland allesamt nicht im völligen Normalzustand, aber hey – was wäre das Leben ohne die “Ausnahmezustände”? Wie es um Jockey Nina Baltromeis Verfassung kurz zuvor genau bestellt war, ist im TV-Beitrag des NDR gut erkennbar – fokussiert, strukturiert und konzentriert gibt Hochkönigs Reiterin Auskunft und man staunt, woher die junge Frau, die bis Mitte Juni noch als erfolgreiche Amateur-Rennreiterin unterwegs war und gerade erst ihre Berufsausbildung zum Jockey begonnen hat, diese Wohl-Sortiertheit kurz vor dem Deutschen Derby eigentlich nimmt.

Wo sind die bloß alle?
Beim Besuch im Stalltrakt schaut ein bildschönes Gesicht aus der Box – piekfein haben Jasmin Beetz und Joana Glienke den Hochkönig gemacht. Und sie werden ihn auch gemeinsam im Führring vorstellen – “so eine Gelegenheit lässt man sich doch nicht entgehen”. Grüne Bänder (Stallfarben) sind in die Haare der beiden jungen Frauen geflochten, Hosen, Blusen, Westen – das ganze Setting ist piccobello und verrät wie stolz alle darauf sind, ein Pferd für “das Derby” zu haben. Der Kandidat selbst ist ein wenig ungehalten, denn ein, zwei Kolleg/innen aus den Nachbarboxen sind weg – einfach so weg (Rennen laufen). Hochkönig ist irritiert, aber auch erst drei Jahre alt, von Renntags-Routinen also schon noch entfernt. Aber dann ist schon die Trainerin Yasmin Almenräder da, gibt Auskünfte, erläutert worauf es ankommt und lässt sich anstupsen. Leicht Anstupsen kann Hochkönig sehr gut. Mitteilsam ist er wohl auch – manchmal “blubbert” er seine Leute voll. Nina Baltromei – die übrigens ihren Fingelnägeln Lack in grün und weiß und das Cloverleaf-Kleeblatt verpassen lassen hat – kennt den Hengst seitdem er ein Jährling ist und spricht viel mit ihm. Das hat Folgen. Wenn sie im Rennen die “Ansage” gibt, dann legt Hochkönig den “Turbo” ein. Das hat er bereits im Union-Rennen gemacht und dann auch in Hamburg.

„Gespräche“ mit Pferd
Es klingt alles leicht, fluffig und nett – tatsächlich steckt viel mehr dahinter: Geduld, jeden Tag ein wacher, genauer Blick auf alles, genau passendes Training, Chuzpe und Gefühl. Im Derby geriet Hochkönig mit seiner Reiterin zunächst nach hinten im Feld, was der Trainerin kurz mal „Schnappatmung“ bescherte. Nina Baltromei behielt die Übersicht und schickte den König erst auf der Zielgeraden richtig los. Auch das muss man können, dem Instinkt und der Erfahrung mit eben diesem Pferd vertrauen. “Sie hat das so intelligent gelöst – Nina ist ein Mega-Talent, das Pferd ist ein Mega-Talent”, fasste es Yasmin Almenräder danach zusammen. Es wird viel gefragt, geredet, gelacht, umarmt – ein Derbysieg ist unvergleichlich, dieser hier ist geschichtsträchtig, denn nach 155 Jahren ist es erstmals eine Frau, die den Derbysieger über die Ziellinie reitet, dazu auch erstmals eine Auszubildene und erstmals ein Trainerin/ Reiterin-Gespann.
Besitzer und Züchter
Es gibt tatsächlich auch Männer, die viel mit diesem Erfolg zu tun haben. Etwa Hans Bierkämper und Bernd Robert Gossens, beides Vizepräsidenten des Rennclubs Mülheim a.d.R. und gemeinsam der Stall Cloverleaf (Kleeblatt). Sie haben den Hochkönig gekauft und bei Yasmin Almenräder belassen. Man kennt sich gut, auf dem Trainingsgelände in Mülheim haben sechs Trainer ihre Quartiere, eine davon ist Almenräder. Den Derbysieg haben „die Cloverleafs“ genossen, vielleicht nicht so laut wie andere, aber ganz klar genossen. Und dann die Züchter – Marc Rühl und seine Frau Gabi. Nach dem Zieldurchgang stand ein Mann auf dem Geläuf, der seine Kamera jubelnd gen Himmel reckte und seine Familie in die Arme schloss. Nichts kommt diesem Moment gleich, dieser überschäumenden Glückseligkeit darüber, dass es das selbst gezüchtete Pferd ist, das das Deutsche Derby gewonnen hat. Jenes Fohlen, auf das monatelang gewartet wurde, dessen Heranwachsen umsichtig behütet und beobachtet wurde und das in den richtigen Händen zu einem jungen Sportpferd von großer Qualität herangereift ist. Ausnahmezustand eben. Chapeau und Glückwunsch an dieser Stelle an die Familie Rühl, die Fotografen, die bei horseweb.de für hervorragende Bilder sorgen.

