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Dr. Bernd A. Weil

Interview mit Monty Roberts (5. Februar 2002)

Dr. Weil: Mr. Roberts, wie sind Sie zu Ihrer Trainingsmethode Join-Up gekommen?
Monty Roberts: Meine wichtigsten Informationen, um die Technik des Join-Up zu entwickeln, bekam ich von den amerikanischen Mustangs. Die Art der Kommunikation der Wildpferde untereinander gab mir den entscheidenden Anstoß. Danach entdeckte ich eine bestimmte Körpersprache und entwickelte das Join-Up, obwohl ich ein Mensch und kein Pferd bin.
   
Dr. Weil: Ist Join-Up für jedes Pferd geeignet?
Monty Roberts: Wenn Join-Up korrekt angewandt wird, kann kein Pferd dadurch verletzt werden. Es wird vielmehr jedem nur denkbaren Pferd helfen, unabhängig von der Zuchtlinie oder dem Alter.
   
Dr. Weil: Ist Join-Up auf jedem Reitplatz möglich oder benötigt man unbedingt ein Round Pen?
Monty Roberts: Man benötigt nicht unbedingt ein Round Pen, um Join-Up zu praktizieren, aber es hilft natürlich dabei. Wenn man ein Viereck hat und die Ecken absperrt, erhält man ein Achteck. Damit lässt sich Join-Up einigermaßen leicht durchführen. Ich habe Join-Up auf riesigen Landgebieten angewandt, wo es überhaupt keinen Zaun gab, und es funktionierte immer noch. Wenn die Einrichtungen allerdings nicht optimal sind, dauert das Ganze natürlich wesentlich länger.
   
Dr. Weil: Wie lange dauert es, bis ein Trainer die Join-Up-Methode gelernt hat?
Monty Roberts: Ich hatte Schüler, die sehr versiert im Umgang mit Pferden waren und die sich ein gutes Verständnis für Join-Up in nur drei Wochen aneigneten. Ich hatte aber auch Studenten, die noch nach drei Jahren Arbeit unakzeptabel waren. Es ist abhängig von dem Schüler und seiner Bereitschaft zu lernen.
   
Dr. Weil: Ihre Methode wird auch auf andere Bereiche wie Erziehung, Arbeitswelt etc. transformiert.
Verstehen Sie das Join-Up als Lebensphilosophie?
Monty Roberts: Meine generelle Lebensphilosophie lautet, dass Gewalt niemals die Antwort sein darf. Natürlich ändert sich die Sprache und die Methode, wenn ich mit anderen Lebewesen als Pferden arbeite. Das prinzipielle Konzept des Join-Up wirkt aber auch hier.
   
Dr. Weil: Sie haben in Ihrem Leben bereits viele Auszeichnungen und große Resonanz erhalten. Gibt es für Sie in der Zukunft noch ein besonderes Ziel, das Sie gerne erreichen möchten?
Monty Roberts: Es wäre wundervoll, wenn ich mein Konzept auf die Arbeit mit der Mehrheit der Pferde in der Welt angewendet sehen könnte. Das ist zwar ein hoher Anspruch, aber wenn ich meine Ziele nicht hoch stecke, werde ich nicht viel erreichen. Ich war immer jemand, der sich große Ziele setzt und diese dann verfolgt. Ich würde es mir sehr wünschen, wenn bei den Startmaschinen der Pferderennen meine Methoden weltweit übernommen würden.
   
Dr. Weil: Haben Sie bei Ihrem enormen Engagement für Pferde überhaupt noch Freizeit?
Monty Roberts: Nein. Ich gehe jedes Jahr vier oder fünf Tage Fliegenfischen. Man sollte aber wissen, dass ich das liebe, was ich mache und weiterhin unter allen Umständen tun möchte. Ich bin mein gesamtes Leben im Urlaub.
   
Dr. Weil: Was kann das Publikum von Ihnen auf der "Horse Sense Tour 2002" erwarten?
Monty Roberts: Die Menschen sollten von meiner "Horse Sense Tour" ein besseres Verständnis für das Leben gewinnen, das heißt für das Zusammenleben mit ihren Pferden, ihren Hunden, ihren Katzen und sogar mit ihren Kindern und Ehepartnern. Es ist die Formel der Kommunikation zwischen allen beseelten Wesen auf der Erde. Hundetrainer schreiben Bücher, nachdem sie zu meinen Vorstellungen gekommen sind. Lehrer und Psychologen nutzen meine Methoden in zunehmendem Maß. Es ist schön, wenn jemand von mir lernt, sein Pferd zu verladen oder mit einem tretenden Pferd umzugehen, aber meine Methode ist ebenfalls wichtig für Menschen, die mehr darüber erfahren möchten, wie sie mit ihren Kindern oder mit den Arbeitskollegen umgehen sollen.
   
Dr. Weil: Schreiben Sie wieder an einem neuen Buch?
Monty Roberts: Ich schreibe gerade ein neues Buch. Ich habe das Manuskript fertig gestellt, und es wird in Kürze zum Lübbe-Verlag geschickt. Man sagte mir, dass es im Herbst 2002 erscheinen wird. Dieses Buch wird sehr wichtig sein, denn es ergänzt die Text-Bücher über meine Methoden. Es ist für Reiter gedacht und handelt von Pferden. Ich habe mein Leben lang an diesem Buch gearbeitet, und ich bin sehr stolz darüber, wie es geworden ist.
   
Dr. Weil: Herr Roberts, vielen Dank für das Interview!

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