Mustang Makeover Aachen 2017

Auf dem Gelände des CHIO Aachen feiert am ersten Augustwochenende (05./ 06. August) ein ganz besonderes Event seine Premiere. Zum ersten Mal in Europa findet dort ein Mustang Makeover statt, das bisher nur in den USA bekannt ist. Ziel des Makeovers ist es, auf die Situation und die Besonderheiten der in den USA wildlebenden Mustangs hinzuweisen. Silke Strussione, Initiatorin des Events, möchte außerdem auf die Trainingsmethoden des Horsemanships aufmerksam machen.

15 deutsche Trainer haben 90 Tage Zeit, um mit diesen wundervollen Pferden zu arbeiten und sie an Menschen zu gewöhnen. Wir haben mit Silke Strussione gesprochen, die sich gemeinsam mit ihrem Mann Michael den Mustangs verschrieben hat. Die beiden möchten die Mustangs nicht nur bekannt machen, sondern auch die Situation der Pferde vor Ort verbessern, indem sie möglichst vielen Besitzern in Trainingsfragen weiterhelfen.

Mustangs in freier Wildbahn. (Foto: Maggie Rothauge)

Eine besondere Pferderasse

Mustangs stehen für Ursprünglichkeit, Freiheit und Naturverbund. In der Wildbahn aufgewachsen, vereinen sie alle Charakterzüge, die sich Reiter von ihrem Pferd wünschen: positive Arbeitseinstellung, Intelligenz, Sportlichkeit, Ausdauer und Nervenstärke. Von Natur aus darauf bedacht sich jemandem anzuschließen, suchen sie schnell den Kontakt zum Menschen. Silke Strussione zieht gern folgenden Vergleich: „Ein Handy versucht, ständig ein Netz zu finden und sendet ununterbrochen Signale. Ähnlich verhält es sich mit den Mustangs. Sie sind immer auf Empfang und sehr fixiert auf die Bezugsperson. Wenn man ihr Vertrauen einmal gewonnen hat, würden sie alles für einen tun.“

Mustangs sind sehr intelligent und lernen im Gegensatz zu den meisten domestizierten Pferden sehr schnell. Auch wenn die Zeit, die die Trainer mit „ihren“ Mustangs verbringen, knapp bemessen ist, so werden die Pferde dennoch nicht überfordert. Was sie einmal gelernt haben, speichern sie ab und können es jederzeit abrufen. Die ausgewählten Pferde wurden nicht für dieses Event gefangen, sondern aus sogenannten Auffangstationen gekauft. Durch Überpopulation und Einschränkung der natürlichen Lebensräume wird das Nahrungsangebot für die wildlebenden Pferde immer knapper. Seit den 70er Jahren ist deshalb das Bureau of Land Management (BLM) für den Schutz und Erhalt der Mustangpopulation zuständig. Jedes Jahr werden Mustangs eingefangen und in Auffangstationen gebracht, damit die Herden nicht zu groß werden. Dort warten die Tiere auf ihre Vermittlung an Pferdeliebhaber, die Zahl der Vermittlungen ist jedoch deutlich geringer als die Anzahl an Pferden. In Amerika existiert das „Extreme Mustang Makeover“ seit zehn Jahren, um auf die Pferde aufmerksam zu machen und dadurch die Zahl der Adoptionen zu erhöhen.

Mustangs gelten als sehr intelligent und zeigen sich Menschen gegenüber schnell aufgeschlossen. (Foto: Maggie Rothauge)

Ankunft in Deutschland

Am 7. Mai sind 15 ausgewählte Mustangs wohlbehalten am Frankfurter Flughafen gelandet. „Die Pferde haben den Flug gut überstanden. Entgegen einiger Gerüchte waren die Mustangs nicht sediert und waren den ganzen Flug über sehr entspannt, davon konnte sich unser Team live überzeugen, denn eine Kollegin hat den Flug begleitet. Außerdem haben wir direkt nach der Verladung Videos von unserer Trainerin erhalten. Dort haben die Pferde schon Heu gefressen“, berichtet Strussione. Die Mustangs wurden in den USA auf den Import vorbereitet: Im geschützten Raum mit Hilfsperson lernten die Wildpferde, dass Führen, Anbinden und Verladen nicht mit Gefahr verbunden sind.

Nun verbringen die Mustangs drei Monate bei ihren zugelosten Trainern auf den jeweiligen Höfen. Dort erarbeiten sich die Pferde-Trainer-Teams gegenseitiges Vertrauen. „Wir haben unsere Trainer sorgfältig ausgewählt. Zehn von ihnen kannten wir persönlich und sind von ihren Trainingsmethoden überzeugt. Die anderen fünf Stellen hatten wir ausgeschrieben und die Bewerber genau überprüft“, erklärt die Initiatorin und ergänzt: „Wir möchten zur Basis der Pferdeausbildung zurückkehren, weil wir glauben, dass immer noch zu viele Pferde missverstanden oder zu Unrecht bestraft werden. Das liegt oft an fehlender oder falscher Kommunikation. Wir hoffen, dass möglichst viele Leute am ersten Augustwochenende nach Aachen kommen. Selbst wenn nur 200 Menschen nach dem Event ihre eigenen Pferde mit anderen Augen sehen und sich noch intensiver mit der partnerschaftlichen Pferdeausbildung beschäftigen, dann haben wir etwas erreicht.“

Wettbewerb in Aachen

Ein weiteres Ziel war es, einen anderen Wettbewerb zu kreieren, als das klassische Turnier mit Dressuren und Springen. Es sollte ein Event für Pferde werden und nicht für Reiter: „Hier geht es nicht darum, welches Pferd die schönste Knieaktion hat oder welches am schnellsten war. Hier geht es um Verstehen und Partnerschaft. Und wenn ein Mustang nicht an einem Blumentopf vorbeigeritten werden kann, dann soll der Trainer absteigen und ihm vom Boden aus helfen, seine Angst zu überwinden. Ohne unnötigen Druck zu arbeiten, das ist es, was wir wollen.“

Ziel sei es, das unsichtbare Band zwischen Mustang und Trainer sichtbar zu machen, so Strussione. „Der Wettbewerb wird einen Trail enthalten, zwei gerittene Dressur- und Horsemanshipaufgaben und das Finale. Natürlich freuen wir uns, wenn am Ende alle Pferde unter dem Sattel sind, aber wenn ein Pferd noch nicht so weit ist und der Trainer die Aufgaben am Boden zeigt, ist das genauso gut“, erläutert die Mustangexpertin. Der Initiatorin ist wichtig, dass die Pferde ruhig und entspannt sind, sich ausbalancieren können und harmonisch mit ihrem Trainer interagieren. Im Finale können die Trainer zusätzliche Aufgaben zeigen, die das Pferd gelernt hat, zum Beispiel Cutting oder Reiten mit Halsring.

Wie schnell eine enge Bindung zwischen Mustang und Trainer besteht, zeigte sich bereits nach sieben Tagen. „Ein Trainer hat sich für die Auktion angemeldet, weil er sich bereits so in seinen Schützling verliebt hat. An dem Wochenende werden bestimmt auch Tränen fließen“, ist sich Strussione sicher. Wer bei der öffentlichen Auktion mitbieten möchte, sollte sich beraten und rechtzeitig registrieren lassen. Die genauen Bedingungen können beim Veranstalter erfragt werden. Auch wenn die Auktion öffentlich sein wird, werden die neuen Besitzer nach strengen Vorgaben ausgesucht. Dazu gehört unter anderem ein mehrseitiger Fragebogen und eine Besichtigung der Unterbringung. Bevor die Mustangs in ein neues Zuhause ziehen, lernen sie ihren zukünftigen Besitzer in gewohnter Umgebung bei ihrem Trainer kennen. In einem zweitägigen Coaching werden die neuen Reiter- und Pferdpaare bekannt gemacht. Die Trainer stehen auch in Zukunft als Ansprechpartner zur Verfügung. Wenn das Mustang Makeover Erfolg hat, soll es jährlich wiederholt werden. Weitere Informationen auf der Homepage www.mustangmakeover.de oder bei Silke Strussione unter Tel.: 0 61 28- 60 96 78. Stina Berghaus

 

Trainer:

Andrea Bethge, Erich Busch, Ernst-Peter Frey, Vivian Gabor, Birger Gieseke, Thomas Günther, Yvonne Gutsche, Bernd Hackl, Maja Hegge, Svea Kreinberg, Sebastian Nolewajka, Tanja Riedinger, Sandra Schneider, Luuk Teunissen, Silke Vallentin.

 

Dieser Text wurde von der Agentur Hafensänger verfasst. Das Kopieren des Text- und Bildmaterials ist nicht gestattet.