Blog Ponygeplauder: Sehnenschaden – Entstation Rentnerkoppel?

In der Kategorie Stallgeflüster findet ihr regelmäßig tolle Blog-Beiträge von Ponygeplauder, geschrieben von Daniela. Ihr findet sie auch auf auf Instagram, Facebook und Twitter. Daniela erzählt euch von ihrem Alltag mit ihren beiden Pferden, von neuen Produkten und lustigen Geschichten rund ums Reiten. Im heutigen Artikel schreibt Daniela über Vor- und Nachteile der Pferdeschur im Winter.  

Ich möchte heute mal über ein Thema reden, welches mich sehr oft und vor allem auch sehr lange beschäftigt hat. Ist ein Pferd mit Sehnenschaden jemals wieder reitbar? Muss ich so ein Pferd endgültig wegstellen? Bedeutet ein Sehnenschaden „Endstation“?

Wie ihr ja vielleicht wisst, hatte mein Pferd Tari einen Sehnenschaden und nach viel Geduld, guter ärztlicher Behandlung, schonendem Aufbau-Training und einigen Zweifeln kann ich euch mittlerweile Mut machen! Ja, so ein Pferd KANN wieder zum Reitpferd werden und es ist kein Grund so ein Pferd aufzugeben.

Aber zunächst einmal von Anfang an: Als bei Tari der Sehnenschaden diagnostiziert wurde, brach für mich erst einmal eine Welt zusammen. Ich dachte ich muss ihn für immer auf die Koppel stellen. Wie von unserem Arzt angeordnet sind Tari und ich für über 12 Wochen nur Schritt gelaufen. Tari hatte zudem Boxenruhe und durfte in dieser Zeit auch nicht auf die Koppel, da das Risiko für die Sehne einfach zu groß war. Ich bin also ganz viel mit Tari spazieren gegangen, meistens auf Asphalt oder ganz hartem Boden.

Foto: privat

In dieser Zeit gab es gute und einige schlechte Tage. Tari wurde natürlich zunehmend frustrierter und trauriger und baute in den 12 Wochen wirklich stark ab. Trotz alledem blieb Tari aber immer lieb und konnte bis zum Schluss nur mit Halfter im Gelände geführt werden. Er wurde nie böse, trotzdem musste sein Frust hin und wieder mal raus, indem er draußen immer mal wieder etwas blöd tat. Plötzlich waren viele Sachen gruselig, die es vorher nicht waren und bei starkem Wind bin ich meistens gar nicht raus mit ihm.

Nach einiger Zeit haben wir dann zusätzlich noch das Laufband mit eingebaut, sodass er dort seine Schritt-Runden absolvieren konnte. Ich habe es deshalb genutzt, da man dort eine Steigung einstellen kann und Tari so seine Hinterhand wieder ein wenig aufbauen konnte. So haben wir das Programm für Tari nach und nach gesteigert.

Wieder etwas später hat Tari eine kleine abgetrennte Koppel für sich bekommen. Dort stand er zwar allein, konnte die anderen Pferde aber sehen und wieder frische Luft schnuppern. Nach diesen 12 Wochen, vielen Zweifeln und gaaaanz viel Schritt laufen, stand erneut ein Termin mit dem Tierarzt an. Dieser bestätigte uns, dass die Sehne gut verheilt ist und ich ich ganz langsam wieder anfangen könne Tari schonend aufzubauen.

Das tat ich auch. Zunächst habe ich – auf Anraten des Tierarztes – mit der Longe begonnen. Ich hätte es auch unschön gefunden ein gänzlich untrainiertes Pferd reiten zu wollen. Auch wenn es nur im Schritt gewesen wäre. Den Zirkel an der Longe habe ich extra groß macht und Tari im Schritt bewegt und aufgewärmt. Ganz langsam und über zwei Monate hinweg habe ich das Training langsam wieder aufgebaut und immer mehr Trab mit dazu genommen. Bis Tari schließlich in allen drei GGA fleißig und ohne Probleme an der Longe lief.

Nach dieser Zeit war Tari wieder etwas fitter und die Muskeln wieder etwas zurück gekehrt. Natürlich war Tari noch lange nicht in seiner alten Form. Ich beschloss also Tari wieder zu reiten, um ihn noch mehr aufbauen zu können! Bis dahin hatten seine Beine alles gut mitgemacht und der Aufbau hatte Tari nicht geschadet.

Mit dem Reiten habe ich ebenfalls ganz langsam begonnen. Für den Anfang haben 30 Minuten nur im Schritt gereicht. Das Ganze habe ich drei Mal in der Woche gemacht. Die anderen Tage hatte Tari frei oder Schonprogramm, wie beispielsweise Spazieren gehen und ruhiges Training an der Longe. Als ich gemerkt habe, dass auch das Reiten keine Verschlechterung für Tari gebracht hat und er wieder stabil lief, habe ich ein bisschen Trab mit dazu genommen.

Und so habe ich auch hier das Training langsam und über Wochen immer weiter gesteigert, sodass Tari nun wieder super aussieht! Er hat Muskelmasse aufgebaut, ist lebensfroh, hat Spaß an der Arbeit und läuft wieder absolut toll.

Was ich euch also mit diesem Beitrag sagen möchte: gebt euer Pferd nicht so schnell auf, wenn es einen Sehnenschaden hat! Ihr seht an meinem Tari, dass man das wieder hin bekommen kann und es noch ein absolut tolles Freizeit-Pferd werden kann. Natürlich ist weiterhin immer Vorsicht für die Sehnen geboten, aber bei guter Behandlung und schonendem Aufbau kann das alles wieder gut abheilen! ICH hätte Tari beinahe aufgegeben und dachte damals tatsächlich, dass dieses Pferd auf die Rentner-Koppel gehört, aber Tari hat mir und allen anderen bewiesen, dass er noch lange nicht bereit dafür ist!

 

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