Blog Ponygeplauder: Lästiges Winterfell? Vor- und Nachteile der Pferdeschur

In der Kategorie Stallgeflüster findet ihr regelmäßig tolle Blog-Beiträge von Ponygeplauder, geschrieben von Daniela. Ihr findet sie auch auf auf Instagram, Facebook und Twitter. Daniela erzählt euch von ihrem Alltag mit ihren beiden Pferden, von neuen Produkten und lustigen Geschichten rund ums Reiten. Im heutigen Artikel schreibt Daniela über Vor- und Nachteile der Pferdeschur im Winter.  

Winter is coming…

Tja, und unsere Pferde verwandeln sich zu plüschigen Fellmonstern. Das Winterfell sprießt zur Zeit in vollen Zügen und die Pferde sind momentan mitten drin im Fellwechsel. Ja, manche haben sogar schon richtiges, langes Teddyfell bekommen. Wenn ich da meine vier Pferde so betrachte, ist vom Sommerfell kaum noch eine Spur zu sehen.

Über das Aussehen der Pferde mit ihrem langen, dichten Winterfell kann man sich nun auch streiten. Die einen finden es ganz putzig, die anderen finden, das es eher ungepflegt und zerzaust aussieht. Aber nicht nur der Look unserer Pferde ändert sich mit dem Winterfell. Plötzlich schwitzen unsere Fellnasen sehr stark bei der Arbeit, benötigen nach dem Reiten eine Abschwitzdecke und leiden bei starkem Training sogar unter ihrem dichten Fell.

Daher greifen sehr viele Reiter während der Winterzeit auf die Pferdeschur zurück, um ihren Lieblingen ein wenig Abhilfe zu schaffen. Und wie es beim Thema Pferd und Reiten nun einmal so ist, gibt es auch hier Befürworter und Gegner der Pferdeschur. Daher möchte ich euch in diesem Beitrag mal ein paar Vor- und Nachteile der Pferdeschur aufzeigen und erläutern für wen es sich lohnt und bei wem es eher unnötig ist.

Foto: privat

Fangen wir doch erst einmal mit dem Positiven an. Die Vorteile:

  • Nach getaner Arbeit sind die Pferde mit ihrem Winterfell oft stark verschwitzt. Das nasse Fell trocknet durch die vielen Haare nur sehr langsam und das Pferd benötigt zwingend eine Abschwitzdecke. Ein geschorenes Pferd schwitzt zum einen weniger und trocknet zum anderen auch viel schneller. Das verringert die Gefahr einer Erkältung.
  • Winterzeit bedeutet oft auch Matsch- und Schlammzeit – zumindest, wenn die Pferde draußen auf der Koppel stehen. Oft kommen uns unsere Lieblinge im Winter dreckverkrustet und schlammverschmiert entgegen. Der Dreck haftet im langen Winterfell besonders gut und wir sind dann gut und gerne mal eine halbe Stunde damit beschäftigt den Schlamm heraus zu kratzen. Bei einem geschorenen Pferd haftet der Dreck erst gar nicht so gut und wir sparen uns viel Zeit. Die Pferdepflege wird also etwas einfacher.
  • Einige Pferde – vor allem aber Sportpferde – kommen gar nicht erst auf die Koppel und bleiben im warmen Stall. Dort benötigen sie ihr dickes Winterfell nicht und können sogar schon vom Stehen ins Schwitzen kommen. Mit einer Pferdeschur kann man solchen Pferden gut helfen und zu ihrem Wohlbefinden beitragen. Das gilt auch für Pferde, die z.B. Cushing haben. Sie bekommen solch ein enorm dichtes und langes Fell, dass sie allein schon vom Nichtstun schwitzen können. Auch hier bietet sich eine Pferdeschur durchaus an. Es gibt also Pferde, die das Winterfell einfach nicht brauchen.
  • Ungeschorene Pferde kommen vor allem bei Belastung stark ins Schwitzen und der Kreislauf kann schneller überhitzen. Das ist nicht nur unangenehm, sondern kann auch die Leistungsbereitschaft eines Pferdes mindern. Wir Menschen trainieren schließlich auch nur ungern im dicken Wintermantel! Vor allem für Pferde, die jeden Tag trainiert und geritten werden, ist die Schur eine gute Alternative. Die Pferdeschur kann der Überhitzung vorbeugen.

Ihr seht also: man sollte die Pferdeschur nicht per se verteufeln. Es gibt durchaus Pferde und Bedingungen, wo es wirklich Sinn macht zu scheren.

Aber klar, wo es Vorteile gibt, gibt es ebenso auch Nachteile und die wollen wir uns nun einmal anschauen:

  • Ganz klar muss man erwähnen, dass man mit einer Pferdeschur seinem Pferd den natürlichen Schutz und die isolierende Luftschicht nimmt. Man sollte sich also wirklich genau überlegen, ob es notwendig ist und ob man seinem Pferd hilft oder doch eher schadet. Denn ohne Winterfell fehlt der natürliche Schutz.
  • Auch über das Scheren selbst sollte man sich Gedanken machen, vor allem über die Durchführung! Für manche Pferde kann die Schur eine wahre Belastungsprobe werden und purer Stress bedeuten. Schermaschinen sind oft sehr laut und das Pferd muss über eine längere Zeit komplett stillstehen. Die Pferdeschur ist also nichts für ängstliche Pferde.
  • So komisch es klingt, aber Pferdedecken stellen auch eine Verletzungsgefahr dar. Nicht selten gehen Schnallen auf, die Pferde verheddern sich in den Befestigungsschlaufen oder die Decke verrutscht beim Wälzen komplett und hängt plötzlich unter dem Pferdebauch. Pferdedecken können also auch ein Grund für Verletzungen sein.
  • Der logistische Aufwand steigt mit der Pferdeschur. Wann muss ich mein Pferd eindecken, wann ist es zu warm, wieviel Gramm, heute nur die Stalldecke oder doch die gefütterte Regendecke. Ja, sein Pferd eindecken, bedeutet auf jeden Fall auch sehr viel Management. Mal abgesehen davon, dass man hier auch den Kostenfaktor mit einberechnen muss. Gute Decken sind sehr teuer und mit dem wechselnden Wetter, benötigt man auch verschiedene Decken mit verschiedenen Füllungen. Nicht selten kommt es vor, dass tagsüber noch die Sonne scheint und das Pferd nur eine leichte Decke benötigt, doch nachts wird es dann sehr kalt und man muss den Kälteschutz verstärken. So kann es schnell sein, dass man mehrmals am Tag in den Stall muss, um die Decken zu wechseln. Der Zeitaufwand kann mit einer Pferdeschur also steigen.

Wie ihr nun vielleicht festgestellt habt, habe ich darauf geachtet sowohl bei den Vorteilen als auch bei Nachteilen jeweils vier Punkte aufzuzählen und somit einen Gleichstand zu haben. Dieser Beitrag soll also neutral bleiben und jeder Pferdebesitzer muss individuell selbst entscheiden, was für sein Pferd die bessere Lösung ist. Jedes Pferd ist nun einmal anders, die Haltungsformen sind unterschiedlich und das Training bei manchen intensiver, als bei anderen. Daher kann man die Pferdeschur nicht grundsätzlich verteufeln oder in den Himmel loben.

Ich persönlich möchte meine Pferde nicht scheren, da ich kein sooo krasses Training betreibe und ehrlich gesagt auch nicht die Zeit habe mehrmals am Tag in den Stall zu fahren und die Decken zu wechseln. Bei vier Pferden müsste ich sowieso ein ganzes Sammelsurium an Decken haben.

Ich arbeite dann eben mit Abschwitzdecken und gehe gerne mal mit dem Pferden spazieren, um sie trocken zu führen. Auch ein Pferdesolarium gibt es bei uns, dass ich gerne mal nutze, wenn die Pferde wirklich richtig nass sind.

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