Schonendes Aufsteigen leicht gemacht

Wer sich ohne Aufstiegshilfe aufs Pferd schwingt, fügt ihm unnötige Schmerzen zu. (Foto: pixabay)

Führen, satteln und aufsteigen: Alles wird von links erledigt. So lernen es Reiteinsteiger bereits vor ihrer ersten Stunde. Der Grund dafür ist einleuchtend: Die Reiterei hat ihre Wurzeln im Militär und die meisten Soldaten waren Rechtshänder und haben ihre Säbel und Schwerter deshalb auf der linken Seite getragen. Ein ungehindertes Aufsteigen war deshalb nur von der linken Seite möglich. Bis heute erledigen Reiter also das meiste von links. Beim Satteln und Trensen entstehen dabei auch keine Probleme, anders jedoch beim Aufsitzen. Ein Reiter, der seitlich im Steigbügel am Sattel hängt, übt enorme Zugkräfte auf den Pferderücken aus. Die einseitige Belastung bringt die Pferde aus der Balance und kann die Rückenwirbel verdrehen und die Muskeln auf der rechten Seite der Sattellage beim Aufsteigen quetschen. Grund dafür ist, dass der Reiter nicht nur sein eigenes Gewicht, sondern auch das des Pferdes auf die Aufstiegsseite bringt, so ein Test von Cavallo: Steigt ein 90 Kilogramm schwerer Reiter auf einen 475-Kilo-Haflinger, müssen die linken Beine des Haflingers abrupt 479 Kilo tragen, wären auf den rechten nur noch 56 Kilo lasten – ein schlechter Start für harmonische Ritte.

Dennoch steigen nur wenige Reiter mit Aufstiegshilfen auf ihr Pferd, obwohl diese rückenschonend und effektiv sind. Oft werden die Reiter sogar belächelt, wenn sie ein Treppchen benutzen. Dabei hat es nichts mit Faulheit oder Unsportlichkeit zu tun, sondern schont lediglich den empfindlichen Pferderücken. Die bekannte Pferdephysiotherpeutin Helle Kleven hat eine klare Meinung zu Aufstiegshilfen: „In Deutschland wird man belächelt, wenn man mit einer Aufsitzhilfe aufsteigt. Ein England wird man beschimpft, wenn man es nicht tut. Und das aus einem sehr guten Grund. Es entstehen am Widerrist gleichzeitig ein sehr hoher Druck und eine ungünstige Rotation, wenn man vom Boden aus aufsitzt. Durch die Dornfortsätze, die bis zu 30 Zentimeter lang werden können, hat man einen sehr langen Hebel auf die kleinen Gelenke am Wirbelkörper. Blockaden, Arthrosen, Schmerzen, Durchblutungsstörungen am Vorderbein, Widersetzlichkeit und Leistungsverschlechterung sind das Resultat.“ Aufstiegshilfen entlasten den Pferderücken, verhindern Anspannungen beim Pferd und vermeiden schiefe Sättel, die den Baum verziehen können. Außerdem vereinfachen sie das Aufsitzen für den Reiter.

Wer gerade keine Aufstiegshilfe zur Verfügung hat, sollte jemanden auf der anderen Seite gegenhalten. Aufgrund der Hebelwirkung sollte man mit dem Oberkörper so nah wie möglich am Pferd bleiben und sich mit der Hand auf der gegenüberliegenden Seite des Widerristes abstützen. Auch das Hüpfen mit einem Fuß im Steigbügel ist für die Pferde sehr unangenehm und sollte vermieden werden. Viele Reiter steigen mit viel Schwung auf und lassen sich in den Sattel fallen. Auch das ist für Pferde äußerst unangenehm und sollte vermieden werden. Stattdessen lässt man sich sanft in den Sattel gleiten und lobt das Pferd, wenn es stehenbleibt.

Aufstiegshilfen können in die Bande integriert werden, neben dem Eingang oder auch in einer Ecke der Reithalle stehen. Die Größe des Pferdes spielt übrigens keine Rolle. Auch bei Ponys sollten mit Aufstiegshilfen verwendet werden. Kleiner Tipp zum Schluss: Steigt doch mal von rechts auf. Das erfordert zwar einiges an Geschick, vermeidet aber die einseitige Belastung.