Paddock-Trail – Den ganzen Tag in Bewegung

Die Pferde laufen auf verschiedenen festen und unbefestigten Untergründen zu den über den Trail verteilten Futter- und Wasserstellen. (Foto: privat)

Artgerechte Pferdehaltung ist ein viel diskutiertes Thema. Der Trend geht zur Offenstall- oder Laufstallhaltung – aber vielen Pferdebesitzer reicht das nicht mehr aus. Zu ihnen gehört auch Gundula Staack aus Schwedeneck, Kreis Rendsburg-Eckernförde. Sie hat auf einem ihrer beiden Höfe einen Paddock-Trail angelegt. Der Paddock-Trail ist ein neues Haltungskonzept aus den USA und bietet den Pferden neben frischer Luft und Gesellschaft auch viele Bewegungsanreize und Abwechslung.

Entwickelt wurde die Haltungsform Paddock-Trail von dem Amerikaner Jamie Jackson, der lange Zeit damit verbracht hat, Wildpferde in ihrer freien Laufbahn zu beobachten. Er erkannte, dass Wildpferde trotz der riesigen ihnen zu Verfügung stehenden Flächen immer die gleichen „Trails“, also Wege und Pfade, benutzen. Außerdem fielen ihm die außergewöhnlich guten Hufe der Wildpferde auf – trotz der teilweise anspruchsvollen und schwierigen Bodenverhältnisse. Auf der Grundlage dieser Erkenntnisse entwickelte Jackson die beiden Grundprinzipen des Paddock-Trails: Verschiedene Untergründe und klar definierte Wege zu Futter- und Wasserstellen. Während sich in den USA der Name „Paddock Paradise“ etabliert hat, wird in Deutschland und Österreich der Begriff Paddock-Trail verwendet, nicht zuletzt aus urheberrechtlichen Gründen.

Der Paddock-Trail von Gundula Staack ist auf dem weitläufigen Gelände rund um den Reitplatz und einen kleinen Teich angelegt. (Foto: privat)

Was ein echter Paddock-Trail braucht
„Die sechs wesentlichen Merkmale einer artgerechten Pferdehaltung sind Bewegung, Ernährung, Unterhaltung, Stallklima und Licht, Gesellschaft und Abwechslung. Im Paddock-Trail werden all diese Grundsätze vereint, artgerechter kann man Hauspferde nicht halten“, weiß Pferdehalterin Gundula Staack, die schon für ihren anderen Stall von der Laufstall-Arbeits-Gemeinschaft mit vier von fünf erreichbaren Sternen zertifiziert wurde. Sie weiß: Um einen Paddock-Trail anzulegen, benötigt man keine riesigen Weideflächen, sondern lediglich klug gesetzte Zäune. Die verschiedenen Anlaufstellen wie Heuraufen, Tränken, Salzlecksteine, Wasserstellen, Sandplätzen und Unterständen werden möglichst weit auseinander angelegt, sodass die Pferde den ganzen Tag über in Bewegung sind. „Je enger die Wege sind, desto höher ist der Bewegungsanreiz. Allerdings hängt die Anlegung der Wege auch immer davon ab, wie viele Pferde auf der zur Verfügung stehenden Fläche untergebracht werden sollen“, erklärt die Schwedeneckerin. Zusätzliche Anreize werden durch angepflanzte Büsche oder Äste zum Knabbern geschaffen. Die Wege, die zum Beispiel um eine Weidefläche angelegt werden können, sollten aus verschiedenen Bodenmaterialien bestehen. Im Paddock-Trail kommen unter anderem Kies, Sand, Schotter oder sogar verschieden große Steine zum Einsatz. Die Hufe der domestizierten Pferde sind durch Haltung und Fütterung anfällig geworden, die anspruchsvollen und abwechslungsreichen Bodenbeläge hingegen fördern auf natürlichem Weg die Hufgesundheit. Das Anlegen von Hügeln, Teichen und Wällen verbessert zusätzlich die Trittsicherheit und hält die Pferde fit. Wer die Möglichkeit hat, Anhöhen in seinen Paddock-Trail zu integrieren, bietet seinen Pferden ein weiteres Highlight: Als Fluchttiere haben Pferde gerne einen Überblick über alles, was um sie herum geschieht. Dieses angeborene Bedürfnis ist selbst bei Hauspferden tief verankert.

Mehr Arbeitsaufwand für Betreiber
Konventionelle Paddocks und Weiden bieten zwar Auslauf, tatsächlich kann man aber beobachten, dass Pferde auf diesen Flächen über den Tag verteilt vergleichsweise wenig Strecke zurücklegen. In freier Wildbahn hingegen laufen Pferde im Schnitt 15 bis 30 Kilometer pro Tag. Auf Paddocks und Weiden stehen die Pferde zwar an der frischen Luft, doch Gundula Staack wollte eine Steigerung. „Früher hat man Paddocks eher flächig gebaut und zugesehen, dass sie eine möglichst große, rechteckige Fläche haben. Daran hat mich genervt, da die Pferde so viel herumstanden und wenig Bewegungsanreize hatten. Wir wollten das ändern, haben uns mit unseren Einstellern zusammengesetzt und nach einer Lösung gesucht“, so die 48-Jährige. So entstand ihr Paddock-Trail, der um eine Wiese und einen Klärteich herum in der Form einer Acht angelegt wurde.

Der Arbeitsaufwand bei einem Paddock-Trail ist ein ganz anderer als in Betrieben mit herkömmlicher Boxenhaltung. Bei Wind und Wetter muss der Trail regelmäßig abgeäppelt werden, allerdings entfällt das Ausmisten. Gundula Staack verzichtet gänzlich auf Einstreu, um die Haltung so natürlich wie möglich zu gestalten. Gleichzeitig spart sie sich so die aufwendige und teure Mistentsorgung. Außerdem werden weitere Stressfaktoren für Halter und Tier reduziert. So haben die Vierbeiner im Gegensatz zur normalen Offenstallhaltung im Paddock-Trail Rückzugsmöglichkeiten. Dank mehrerer Futterstellen und die räumlichen Abgrenzungen können rangniedrige Pferde Konflikten aus dem Weg gehen und stressfrei in der Gruppe leben.

Auch rangniedrigere Tiere können dank mehrerer, möglichst weit voneinander entfernten Futterstellen in Ruhe fressen. (Foto: privat)

Die richtige Fütterung ist das A und O
In freier Wildbahn sind die Pferde ununterbrochen auf Nahrungssuche. Das Verdauungssystem eines Pferdes ist dafür ausgelegt, ständig Nahrung aufzunehmen. Im Schnitt verbringen Pferde 16 bis 18 Stunden am Tag mit dem Fressen – wenn sie die Gelegenheit dazu haben. Genau das Gegenteil geschieht allerdings in Reitställen: Morgens und abends gibt es Heu und Kraftfutter, der Magen ist also entweder voll oder leer. Diese Fütterungsweise begünstigt Koliken, ebenso die Tatsache, dass die meisten Pferde aus Langweile ihre Boxenstreu fressen.

Neben der Bewegung spielt deshalb auch die Futteraufnahme eine wichtige Rolle im Paddock-Trail. Während die Fütterung von Kraftfutter zum Beispiel über ein Chip-System oder auch umgehängte Eimer erfolgen kann, steht Raufutter in der Regel 24 Stunden zur Verfügung. Als erfolgreich bewiesen hat sich die Heufütterung aus Raufen, die zusätzlich mit einem engmaschigen Netz abgespannt sind. „Dadurch wird die Fressgeschwindigkeit reduziert, sodass die Pferde lange beschäftigt sind und man muss sich keine Sorgen um Gewichtsprobleme bei den Pferden machen“, erklärt Gundula Staack. Zweimal am Tag befüllt sie die Futterstationen mit Heulage und hat schnell festgestellt: „Die Pferde stürzen sich nicht mehr kopflos auf die Heukarre. Sie sind viel gelassener geworden, weil sie nicht stundenlang mit leerem Magen auf die nächste Fütterung gewartet haben. Und dadurch, dass wir weniger Futterstationen als Pferde haben, treiben sie sich gegenseitig weg und sind somit zusätzlich mehr in Bewegung.“

Matschige Zeiten überstehen
Bei rund 180 Tagen mit feuchter Witterung im Jahr weiß Gundula Staack um die Probleme einer artgerechten Pferdehaltung im hohen Norden. „Die Witterungsbedingungen in Schleswig-Holstein machen es einem wahnsinnig schwer, einen guten Trail zu bauen. Im Vergleich zum Mittleren Westen haben wir hier das Problem sehr großer Wassermengen, die nicht einfach ablaufen, sondern sich in den Mutterböden mit einem sehr hohen Lehm-Anteil sammeln.“ Abhilfe schaffen zu Beispiel Paddockbefestigungen, die als Trennlage zwischen Untergrund und Tretschicht dienen und dafür sorgen, dass das Wasser besser ablaufen kann. Hierbei gibt es verschiedene Ausführungen, zum Beispiel spezielle Matten mit oder ohne Drainage. Für welche Variante man sich entscheidet, ist in erster Linie eine Kostenfrage, aber auch die Bodenverhältnisse spielen eine wichtige Rolle, weiß Staack.

Und auch wenn der Trail im Winter dann doch mal matschig wird, steht für Gundula Staack fest: „Die Pferde-Zufriedenheit im Paddock-Trail ist sagenhaft. Dafür nimmt man dann nasse Stellen oder Matsche in Kauf. Dadurch, dass die Pferde sich mehr bewegen, weichen die Böden schneller auf, aber insgesamt überwiegen ganz klar die Vorteile.“

Eingezäunt ist der Paddock-Trail von Gundula Staack mit 6 bis 8 mm dicken Elektro-Kordellitze. Diese ist besonders leicht zu spannen, sodass man die Wege des Trails beliebig und ohne großen Aufwand verändern kann. Breitbandlitzen sind ebenfalls ein beliebtes Zaunmaterial, allerdings benötigt man hier mehr Zaunpfähle, da die Litze sonst schnell im Wind ausleiert. Somit ist der Zaun weniger flexibel im Umbau und auch die Kosten sind deutlich höher.

Frische Luft, soziale Kontakte und viel Bewegung: Der Paddocktrail erfüllt alle Anforderungen an eine artgerechte Pferdehaltung. (Foto: privat)

Glückliche Pferde – glückliche Besitzer
Bei den 14 Pferden, die zurzeit in ihrem Paddock-Trail leben, hat Gundula Staack viele positive Veränderungen bemerkt. Am auffälligsten ist die extreme Gelassenheit, die man bei Pferden aus Boxenhaltung meist vergeblich sucht. Durch die artgerechte Haltung im Herdenverband und die ständigen Wetter- und Umwelteinflüsse werden die Pferde widerstandsfähig und strahlen eine tiefe Zufriedenheit aus. Besonders die Gesundheit der Pferde ist bemerkenswert. Die frische Luft sorgt für intakte Atemwege, die ständige Bewegung hält Sehnen, Bänder, Muskeln und Knochen fit und sorgt zusätzlich für eine angeregte Verdauung. „Im Gegensatz zu der reizarmen Umgebung in einem Stall sind die Pferde in einem Paddock-Trail ständig neuen Situationen ausgesetzt“, betont die Betreiberin der besonderen Reitanlage. Dies wirke sich auch auf das Verhalten während des Reitens aus: Während man bei Pferden aus Boxenhaltung oft Drohgebärden anderen Pferden gegenüber beobachten kann, zum Beispiel im Getümmel der Reithalle, seien die Paddock-Trail-Bewohner gelassen und gutmütig. So kamen drei Pferde mit Magengeschwür zu Gundula Staack – mittlerweile sind alle drei beschwerdefrei, was in Staacks Augen dem Stallwechsel zu verdanken ist. Die Haltung in einem Paddock-Trail ersetzt zwar nicht das regelmäßige Training der Vierbeiner, aber wer es aus Zeitgründen an dem einen oder anderen Tag nicht zum Stall schafft, muss nicht gleich ein schlechtes Gewissen haben.

Weitere Informationen unter: www.hof-buchholz.net

 

Text: Stina Berghaus