Blog Ponygeplauder: Ein Termin bei der Osteopathin

Daniela und ihre Tinkerstute Siobhán. (Alle Fotos: privat)

In der Kategorie Stallgeflüster findet ihr regelmäßig tolle Blog-Beiträge von Ponygeplauder, geschrieben von Daniela. Ihr findet sie auch auf auf Instagram, Facebook und Twitter. Daniela erzählt euch von ihrem Alltag mit ihren beiden Pferden, von neuen Produkten und lustigen Geschichten rund ums Reiten. Im heutigen Artikel erzählt Daniela von dem Besuch der Osteopathin bei ihren Pferden Siobhán, Trai und Lucky.   

Heute war nun endlich die Osteopathin da. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich ein wenig auf diesen Termin hingefiebert habe. Aufgeregt ist hier das falsche Wort, aber ich war extrem gespannt, was die Osteopathin finden würde und ob sie vor allem Tari helfen kann. In erster Linie hatte ich Tanja, so heißt die Osteopathin, für Tari geholt. Ihr wisst ja, dass wir immer noch große Probleme mit seinem Bewegungsablauf haben und es immer noch nicht klar ist, ob er reitbar ist. Aber auch meine beiden anderen Pferde wollte ich einmal von Kopf bis Fuß checken lassen. Generell möchte die Osteopathin sowieso einmal im Jahr drauf schauen lassen, um zu wissen, ob alles ok ist.Unser Termin begann morgens um 9 Uhr und Siobhán durfte als erstes an die Reihe.

Siobhán
Zu erst habe ich ein paar Sachen zu Siobhán erzählt. Wo sie herkommt und wie ihre Vergangenheit so aussieht. Dann habe ich auch unsere aktuellen Probleme angesprochen und berichtet, wie schwer ihr der Galopp fällt und dass sie den Rücken oft wegdrückt. Tanja hat sehr aufmerksam zugehört und mir auch viele Fragen gestellt. Zum Beispiel auch, was Siobhán frisst, wie oft ich in der Woche reite, wie ihre Verdauung ist und ganz viel anderes Alltägliches.

Danach haben wir uns Siobháns Springsattel angesehen. Dieser passt im Bereich der Schulter sehr gut, auch die Länge ist für Siobháns kurzen Rücken gut angepasst. Lediglich die Kissen könnten etwas länger sein, da der Sattel beim Aufwölben des Pferderückens nur noch auf einer kleinen Stelle der Kissen aufliegt und etwas „zu schwimmen“ beginnt. Das ist nicht ganz so schlimm. Generell findet Tanja den Sattel gut und passend für Siobhán. Es wäre aber eine Überlegung wert, eventuell ein zusätzliches Pad unter den Sattel zu legen.

Als ich Tanja darauf angesprochen habe, wie unwohl ich mich im Springsattel fühle und dass wir vorher einen Westernsattel hatten, hat sie sich auch den Westernsattel angesehen. Jedoch rät sie mir speziell für Siobhán von einem Westernsattel ab, da der Schwerpunkt für sie einfach zu weit hinten ist und ihr Körperbau generell dafür nicht geeignet ist. Das ist für mich schon sehr schwierig, da ich eigentlich irgendwann wieder einen passenden Westernsattel für Siobhán kaufen wollte. Der Springsattel gibt mir absolut keinen sicheren Sitz und generell möchte ich mit dem Sattel auch nicht auf weite Geländestrecken gehen, da ich mich zu unsicher darin fühle.

Ein Dressursattel mit Springbaum wäre für mich und für Siobhán die beste Lösung. Ich hätte wieder einen guten Sitz und für Siobhán hätte ich einen optimalen Sattel, dessen Schwerpunkt allerdings nicht zu weit hinten liegt. Soweit also zur Sattelthematik, die bei uns wirklich nicht so einfach ist. Anschließend ließ sich Tanja Siobhán in allen drei GGA vorführen. Ihren Schritt findet sie sehr schön. Sie schreitet fleißig und tritt dabei gut unter, was schon mal ein gutes Zeichen ist. Mit dem Trab ist Tanja nicht so zufrieden, da Siobhán den Kopf hochreißt und ihren Hals zum Ausbalancieren nutzt. Auch der Galopp ist dementsprechend schlecht, da Siobhán hier die komplette Balance fehlt und sich absolut nicht tragen und halten kann.

Tanja hat also die selben Beobachtungen wie ich gemacht und mir sofort bestätigt, was ich ihr erzählt hatte. Danach ging es dann an die eigentliche Behandlung. Mit sehr viel Ruhe und Geduld hat sich Tanja Siobhán von Kopf bis Fuß angesehen und alles genau inspiziert. Durch das Festhalten ist Siobhán im Hals sehr, sehr fest und verspannt. Siobháns Rücken dagegen ist gut und unauffällig, hier zeigte sie keine Schmerzen. Auch Brustbein und Lendenwirbelsäule sind ziemlich steif.

Übungsplan für die Zukunft:
Was heißt das nun alles für uns? Ich habe von der Osteopathin zwei „Holzstäbe“ (ich weiß nicht, wie der Fachbegriff dafür heißt) bekommen und soll nun jeden Tag bestimmte Übungen durchführen. Jeweils eine Übung für Brustbein und Lendenwirbelsäule und zusätzlich noch eine Übung, um die Hüftbewegung zu verbessern.

Außerdem soll ich sie 3x die Woche reiten, 1x die Woche longieren und die anderen Tage soll Siobhán frei bekommen. Viel Gelände und viele verschieden Untergründe sind momentan das Ideale für Siobhán. Auch bergauf reiten wäre super. Siobhán soll viel im fleißigen Schritt laufen und locker im Hals werden und den Rücken aufmachen. Auch traben dürfen wir etwas. Den Galopp soll ich sowohl an der Longe, als auch unterm Sattel komplett weglassen.

Das Ganze soll ich bis zum Frühjahr durchziehen. Ohne Druck und ohne Zwang. Erst dann soll ich mein Fazit ziehen und rückblicken, was und wieviel sich verändert hat.

 

 

Tari
Tari mein Sorgenkind. Auch zu ihm habe ich Tanja die Vorgeschichte und unser ganzes Drama erzählt. Auch Tanja war sehr betroffen über die ganze Story und konnte nur den Kopf schütteln. Als ich Tari aus der Box geholt und laufen lassen habe, hat Tanja seine Beinfehlstellung sofort erkannt und mir erklärt, dass Tari dadurch extrem instabil läuft und gar keine Chance hat „richtig“ zu laufen. Im Prinzip hat er sowohl vorne als auch hinten X-Beine. Dadurch entsteht enormer Druck und enorme Belastung auf die Gelenke. Dass Tari irgendwann Probleme bekommt, war quasi vorprogrammiert.

Als ich Tari habe vortraben und galoppieren lassen, machte Tanja ein ziemlich bedrücktes Gesicht. Auch sie hat natürlich erkannt, dass so enorm viel bei Tari im Argen liegt und er auf keinem Bein klar laufen kann. Nochmals hat sie betont, wie instabil er ist und dass ihm durch das lange Stehen auch einiges an Muskulatur fehlt. Auch Tari nimmt seinen Hals als Balancierstange und ist dort dementsprechend steif und fest. So schlimm, dass kaum eine ordentliche Bewegung im Schulterblatt stattfindet und er nur „stakst“.

Auch bei Tari hat sich Tanja dann enorm viel Zeit genommen und konnte mich im Laufe der Behandlung sogar etwas beruhigen. Tari ist an anderen Stellen sehr beweglich und ist eigentlich ganz schön biegsam. Das ist ein super Zeichen! Sprunggelenke und Gallen sind leider nicht mehr einwandfrei, wahrscheinlich hat er auch schon Spat, aber insgesamt hat Tari keine Schmerzen und nur „verlernt“ sich richtig zu bewegen.

Übungsplan für die Zukunft:
Und was können wir nun tun? Tanja räumt uns eine 60:40 Chance ein. 60%, dass Tari wieder „wird“. 40%, dass man ihn tatsächlich komplett weg stellen muss. Ich muss Tari nun zeigen, dass er sich wieder vermehrt auf den Popo setzen und hinten Last aufnehmen soll. Das vermeidet er momentan komplett, umso mehr Last liegt auf den Schultern und umso fester wird er dort.

Außerdem soll er auch den Rücken schön aufwölben und anheben. Unser Plan sieht nun so aus, dass ich Tari 3x die Woche für je 30 Minuten reiten soll. Ausschließlich im fleißigen Schritt mit großen Bögen oder Schlangenlinien und Tempoveränderungen bzw. Stand-Schritt-Übergängen. Auch geradeaus im Gelände wäre ideal. Das Ganze solange, bis ich merke, dass er sicherer und stabiler wird. Dann kann ich auf 45 Minuten steigern und etwas Trab dazu nehmen. Auch Bodenarbeit mit Stangen ist super für ihn und aktiviert die Hinterhand.

Zusätzlich muss ich auch bei Tari jeden Tag eine Übung mit den Stäben für die Beugung der Lendenwirbelsäule durchführen.

 

Lucky
Und zu guter Letzt kam noch unser Neuzugang Lucky an die Reihe. Natürlich hat Tanja auch hier einige Fragen zu ihm gestellt und ich habe ihr von seiner Hufrollenerkrankung erzählt. Auch bei ihm haben wir uns den Sattel gemeinsam angesehen und ihn anschließend vortraben lassen. Den Galopp haben wir bei Lucky weggelassen, da er sich enorm schwer in der kleinen Halle damit tut (aufgrund seiner Hufrolle).

Mit Lucky war Tanja sehr zufrieden. Er ist gut bemuskelt und hat eine gute Beweglichkeit. Erstaunlicherweise ist Tari allerdings der Beweglichste von allen! Lucky hat sich sehr gut mit seiner Hufrollenerkrankung arrangiert und kommt gut damit klar. Bei Lucky ist die Halswirbelsäule relativ fest, was wohl bei Pferden mit Hufrolle sehr häufig vorkommt.

Insgesamt ist Lucky also am „fittesten“ und hat die wenigsten Probleme. Hier musste Tanja gar nicht so viel machen.

Übungsplan für die Zukunft:
Mit Lucky kann ich eigentlich so weiter machen, wie bisher, da wir auf einem guten Weg sind. Er soll möglichst nur geradeaus laufen. Longieren ist sowieso tabu und auch die Halle soll ich, wenn möglich komplett weglassen. Die Wendungen tun ihm einfach nicht gut und er soll seine Rente lieber im Gelände genießen. Auch im Gelände soll ich ihn nicht zu etwas zwingen. Solange er Bewegungsfreude hat und Trab und Galopp von sich aus anbietet, darf er das sehr gerne. Sollte der Punkt allerdings mal kommen, an dem er nicht mehr galoppieren kann und will (vor Schmerzen) dann soll ich das akzeptieren.

Zum Glück war das alles sowieso der Plan mit Lucky. Die Hufrolle war mir ja bekannt und er ist einfach ein mega tolles Geländepferd und soll dort seinen Spaß haben. Er muss mit mir keine Übungen laufen und darf einfach „frei“ und Rentner sein.

Auch für Lucky wurde mir eine Übung gezeigt. Allerdings ohne die Stäbe. Hier soll ich seinen Hals nach links und rechts dehnen, indem ich ihm ein Leckerli vor die Nase halte und er sich dann quasi selbst dehnt, indem er mit der Nase hinter dem Leckerli her will.

 

Alles in allem war es ein sehr spannender, aufschlussreicher Tag! Ich bin extrem froh, dass ich alle Pferde habe angucken lassen! Manches wusste ich ja schon vorher, andere Sachen haben mich erstaunt bzw. habe ich nicht mit ihnen gerechnet. Es ist jetzt echt eine enorme Aufgabe mit allen Pferden diese Übungen jeden Tag durchzuführen und mit allen dreien den Übungsplan zu befolgen. Und das auch über einen so langen Zeitraum. Aber ich denke, wir vier werden das schaffen und ich hoffe, dass es sich lohnen wird und es den dreien dann viel besser geht. Ich kann jedenfalls jedem nur dringend raten regelmäßig einen guten(!) Osteopathen an seine Pferde zu lassen und sie einfach von Kopf bis Fuß abchecken zu lassen. Es hängt einfach so viel zusammen und plötzlich klären sich manche Probleme dadurch sogar. Siobhán hat zum Beispiel immer wieder Durchfall, wenn sie geritten wird. Tanja hat mir nur erklärt, dass es daran liegt, dass sich Siobhán so extrem fest macht und damit auch die Darmtätigkeit blockiert. So kommt es jedes Mal zum Durchfall.

Ihr seht also, ich hatte den Durchfall nie damit verbunden und habe nun endlich eine Erklärung dafür.

 

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