Pferdeklappe Norderbrarup: Hinter jeder Abgabe steht ein Schicksal

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Seit vier Jahren gibt es im hohen Norden Schleswig-Holsteins eine deutschlandweit einzigartige Einrichtung: Die Pferdeklappe. Initiatorin Petra Teegen gibt Pferdebesitzern in Not die Möglichkeit, ihr Pferd anonym abzugeben und in gute HĂ€nde zu vermitteln. Seit die Klappe am 1. Juli 2013 eröffnete, hat sich eine große Gemeinschaft in ganz Deutschland gebildet. „Wir sind ein großes ‚Wir‘ geworden. Alleine kann man so etwas nicht schaffen und ich bin froh und dankbar ĂŒber meine ganzen Helfer und Helferinnen. Wir sind wie eine große Familie“, sagt Petra Teegen. Über 700 Pferde wurden seit der Eröffnung aufgenommen und weitervermittelt, allein im vergangenen Jahr waren es ĂŒber 100.

Petra Teegen vermittelt seit drei Jahren Pferde und Ponys, die in der Pferdeklappe abgegeben wurden, in gute HĂ€nde. (Foto: privat)

WĂ€hrend im ersten Jahr noch 50% der Pferde anonym abgegeben wurden, waren es dieses Jahr nur noch sieben Prozent. Das zeigt das große Vertrauen in die Arbeit der Pferdeklappe. „Die Leute wissen, dass wir die Namen und Schicksale fĂŒr uns behalten. Bei uns stehen die Pferde im Vordergrund und wir sind froh ĂŒber jeden, der sein Pferd bei uns abgibt, anstatt es zu vernachlĂ€ssigen.“ Dennoch möchten einige Besitzer anonym bleiben. Sie schĂ€men sich fĂŒr ihren finanziellen Notstand oder auch die TrĂ€nen beim Abschied vom geliebten Vierbeiner. Die Besitzer, die anonym bleiben wollen, können ihr Pferd auf die Klappen-Koppel stellen, wo drei Ponys von Petra Teegen die Neuankömmlinge erwarten. Die Besitzer mĂŒssen den Equidenpass ihres Pferdes hinterlegen und außerdem eine AbtretungserklĂ€rung unterschreiben, ansonsten kann Petra Teegen das Pferd nicht behandeln lassen und weitervermitteln. „Wir sind kein Gnadenbrothof. Wir nehmen nur die echten HĂ€rtefĂ€lle, zum Beispiel wenn sich die Besitzer aufgrund von Krankheit, TodesfĂ€llen oder schlichtweg Geldproblemen das Pferd nicht mehr leisten können“, stellt Petra Teegen klar. Es kommt auch vor, dass Besitzer ihre Pferde in die Klappen stellen, weil sie sich ja ein jĂŒngeres Pferd gekauft haben. Eine UnverschĂ€mtheit, findet Petra Teegen. „In diesen FĂ€llen poste ich ein Bild des Pferdes auf unserer Facebookseite und es dauert keine halbe Stunde, bis wir wissen, wer der Besitzer ist. Dann kontaktiere ich ihn und bitte ihn, sein Tier abzuholen und fĂŒr die entstandenen Kosten aufzukommen.“ Alternativ kann das Pferd auch in der Klappe bleiben und Petra Teegen kĂŒmmert sich um die Vermittlung. Solange das Pferd auf ihrem Hof ist, muss der Vorbesitzer allerdings fĂŒr alle entstehenden Kosten aufkommen.

Bis die Pferde weitervermittelt werden, genießen sie ihr Leben auf den Weiden und AuslĂ€ufen der Pferdeklappe. (Symbolbild, pixabay.com)

Die Vermittlung der Klappenpferde stellt kein Problem dar. Die Warteliste der Interessenten ist lang, auch wenn die Kriterien streng sind. ZukĂŒnftige Besitzer eines Klappenpferdes mĂŒssen ein regelmĂ€ĂŸiges Einkommen haben, Pferdegesellschaft und artgerechte Haltung bieten, Pferdesachverstand mitbringen, noch nie in Konflikt mit VeterinĂ€r- oder Ordnungsamt geraten sein und monatlich Bilder schicken, um den Zustand des Pferdes zu dokumentieren. „Nur fĂŒnf Prozent aller Reiter in Deutschland sind Turnierreiter und brauchen gesunde und leistungsstarke Tiere, die anderen sind Freizeitreiter und wollen auch Tiere, die gesund sind. Jedoch nehmen sie einige Handicaps in Kauf und helfen auch gern denen, die nicht mehr voll leistungsfĂ€hig sind. FĂŒr die Klappenpferde gibt es keinen Kaufpreis, ansonsten kĂ€me ein Kaufvertrag zustande und kein Schutzvertrag. „Uns ist wichtig, dass sie in gute HĂ€nde kommen“, erklĂ€rt Petra Teegen das Konzept der Pferdeklappe. Die neuen Besitzer kommen lediglich fĂŒr die entstandenen Unkosten auf, denn allein mit den Spendengeldern könnte die Klappe nicht funktionieren.

Der Bestand der Klappenpferde wechselt beinahe tĂ€glich; neue Pferde kommen an, andere werden weiter vermittelt. Ein stĂ€ndiges Kommen und Gehen, das ohne die vielen Helfer nicht zu bewĂ€ltigen wĂ€re. In Erinnerung geblieben sind Petra Teegen eigentlich all ihre SchĂŒtzlinge, denn jeder hatte seine eigene Geschichte und sein eigenes Schicksal. FĂŒr die Zukunft wĂŒnscht sich Petra Teegen vor allem eins: Mehr Platz. „Ich wĂŒrde gerne noch einen Gnadenhof und eine PĂ€ppelstation anschließen, um weiteren Pferden helfen zu können.  Und ich wĂŒnsche mir, dass kein Pferd mehr leiden muss oder ausgesetzt wird.“

Auch in diesem Jahr findet wieder ein Tag der offenen TĂŒr in der Pferdeklappe statt. (Foto: privat)

Am 1. Juli 2017 öffnet die Pferdeklappe ihre Tore fĂŒr einen Tag der offenen TĂŒr.  „Wir machen jedes Jahr einen Tag der offenen TĂŒr, um Besuchern die Klappe zu zeigen, aber auch um einen großen Flohmarkt zu veranstalten. Den Erlös können wir immer gut gebrauchen, zum Beispiel, um ZĂ€une zu erneuern oder die Anlage zu pflegen“, erklĂ€rt die 62-JĂ€hrige.Wer die Arbeit von Petra Teegen unterstĂŒtzen möchte, kann dies auch ĂŒber den gemeinnĂŒtzigen Verein Pferdeklappe e.V., ein Jahresbeitrag kostet 10 €. Weitere Informationen zur Pferdeklappe bei Facebook oder unter www.erste-pferdeklappe.de und unter Tel.: 04641-462934. Stina Berghaus

 

 

Dieser Text wurde von der Agentur HafensÀnger verfasst. Das Kopieren des Text- und Bildmaterials ist nicht gestattet.